Franz v. Wocher zu Oberlochau und Hausen, fand gestern Nachmittags in gebührender feierlicher Weise auf dem städtischen Friedhofe statt. Aus dem Sarge des Verblichenen, rer unter dem Ehrengeleite des Kronprinz Rudolf Beteranen - VersineS unter Vorantragung der schwarzumflorten Spingeser - Fahne zuGrabe getragen wurde, lagenSäbel und Schützenhut alsEmbleme des LandesoertheidigerS, und unter den Kränzen, welche ihn schmückten, befand sich ein großer Lorbeerkranz mit roth weißer Seidenschleise und der Widmung: „Dem Herrn Stadt - Phhsikus Dr. Franz v. Wocher die dankbare Stadtgemeinde ". Dieselbe hatte auch zur Erhöhung der Leichenfeier die Musikbande der hiesigen freiw. Feuerwehr ausiücken lassen. Selbstverständlich gab auch eine Repräsentanz des Gemeinderathes dem Hingeschiedenen auf diesem letzten Wege das Geleite. Auch die Professoren der medizinischen Fakultät und beinahe sämmtliche Aerzte der Stadt folgten dem Sarge. — Dr. Wocher wurde am 30. Oktober 1787 im sogenannten Engelhaus in Innsbruck geboren. Er war der Sohn des k. k. Hauptmannes Max v. Wocher. Seine medizinischen Studien beendigte er in Innsbruck, nachdem er auch in München einige Zeit hiefür verwendet hatte. Er war der letzte Mediziner an der hiesigen Universität, der vor Aufhebung der medizinischen Fakultät im Jahre 1810 noch zum Doktor der Medizin promovirt wurde. So war er es denn auch, dem es beschieden war, bei der nach nahezu 60jähriger Unterbrechung wieder erfolgten Eröffnung des medizinischen Fakultät, wie der damalige Un ' errichtsminister v. Hasner sagte, indem kx ihm das Ritterkreuz des Franz Josef - Ordens überreichte, die Kontinuität derselben zu repräsentiren. Seine ärztliche Praxis begann er in Vorarlberg, wo er sich in Rankweil ein Heim gründete. Im Jahre 1829 übersiedelte er nach Hall und schon nach 2 Jahren in seine Vaterstadt Innsbruck, wo er sich als praktische Arzt niederließ. Im Jahre 1839 wurde er für den Stadttheil jenseits des Inn zum Stadt - Phhsikus ernannt. In der menschenfreundlichsten und hilfreichsten Weise hat er durch mehr als ein Menschenalter bis auf die letzteren Jahre, wo das hohe Alter seine rüstige Kraft brach, die nicht beneidenswerthe Stelle eines Stadt - Phhsikus in der verdienstvollsten Weise versehen. Ein ergreifender Moment war eS, als unter den Klängen eines Chorals, der von einer Abtheilung der Feuerwehrmusikbande geblasen wurde, die alte ehrwürdige Schützenfahne sich über die Gruft senkte, in welche der Sarg hinabgelassen war. Der edle Patriot hat diese Auszeichnung wohl verdient.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 31. Mai 1880, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4161-beisetzung-des-ehrenwerten-stadt-phhsikus-dr-franz-v-wocher-mit-1880).
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