Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MÖRDERVORWURF OHNE MESSER

Richtigstellung eines fälschlich verbreiteten Vorfalls beim Stindelwirth in Willen

Vortrag aus dem Einlaufe sowie über die Erledigung der Kurrentien. fDer Exzeß beimBierstmdel), von dem wir gestern berichteten, stellt sich glücklicher Weise ganz ander « heraus, als wie er unö und in Folge dessen von uns dargestellt worden ist. Der Thatbestand ist. wie er uns von betheiligter Seite mitgetheilt wird, folgender: Ein Bräuknecht kam in betrunkenem Zustande in die Küche beim Stindelwirthe in Willen, wo er ohne Anlaß Spektakel machte. Er erfaßte ein Tranchirmesser und warf es einer in der Küche Bediensteten nach, daß es, glücklicher Weise ohne diese oder jemand Andern zu treffen, im Boden stecken blieb. Zufolge dieses Auftrittes wurde der Stindelwirth, Herr Ludwig Margreither, aus dem Schankgarten Herbeigerusen, der den Exzedenten festhielt, während ihm von einem Dritten das von demselben wieder ergriffene Messer entrungen wurde. Der Exzedent wurde dann von der Gendarmerie in Gewahrsam abgeführt. Derselbe erhielt keinerlei Verwundung und konnte vom Herrn Wirth Margreither schon deßhalb keinen Stich erhalten, weil Letzterer gar kein Messer in der Hand hatte. — Wir bedauern diese uns zugekommene Mittheilung einer falschen Nachricht in unser« Leserkreise verbreitet zu haben, und zwar um so mehr, als durch dieselbe der Herr Wirth Margreither eine schweren Vergehens geziehen und ohne jeden Grund vor der Oeffentlichkeit kompromittirt worden ist. Da wir aber leider die Veröffentlichung dieser falschen Nachricht nicht mehr ungeschehen machen können, so bleibt uns in diesem Falle nebst der Richtigstellung der Thatsache kein anderes Mittel Herrn Margreither Genugthuung zu bieten, als ihm für die schwere Ehrenbeleidigung Abbitte zu leisten, was hiemit aus freiem Antriebe
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. September 1880, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4191-richtigstellung-eines-faelschlich-verbreiteten-vorfalls-beim-1880).

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