Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ZWEI KÖPFE, EIN LACHEN

Ein Mädchen mit zwei Köpfen in Milten als Wunder der Natur gezeigt

(Das Mädchen mit den zwei Köpfen.) In Milten ist in einer Bude eines jener launenhaften Wunder der Natur zu sehen, durch welche ab und zu Geschöpfen eine abnorme Existenz auferlegt wird, den Einen zur Befriedigung der Neugierde, den Anderen zum Mitleide, ihren Angehörigen, oder — Eigen« thümern — denn in solchen Fällen kann man wohl von Hörigkeit und Leibeigenschaft sprechen — eine Quelle des Unterhalts und Erwerbes, sich selbst wohl in den meisten Fällen zur Qual, bis der Tod dem eienden Dasein ein Ende macht, — ein Mädchen mit zwei Köpfen! Wir treten ein, und in der That präsentiert sich uns ein etwa Ibjähriges Kind mit zwei Köpfen, deren Physiognomie schwesterliche Aehnlichkeit haben, am Schultcrblatte find sie mit einander verwachsen, der eine Kopf, — da jeder über einen eigenen Kehlkopf verfügt, hat eine etwas tiefere, der andere eine etwas höhere Stimme, die beiden Köpfe auf dem einen normal gebildeten Körper singen Duette, freilich eine große Anstrengung für die gemeinsame Lunge, da sie als Blasbalg für zwei Stimmröhren dienen muss, aber sie ist krästig genug dazu und die Gefichtchen haben auch nichts von dem sonst bei solchen unglücklichen Geschöpfen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 31. Juli 1882, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4403-ein-maedchen-mit-zwei-koepfen-in-milten-als-wunder-der-natur-gezeigt-1882).

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