Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BIEDERIER MIT MONARCHIE-HERZ

Todesfall eines hervorragenden Tiroler Landtagsabgeordneten und Schützenführers

Freiherr Dipauli von Treuheim, geb. den 9. Juni 1828, Sohn des 1845 verstorbenen Hofrathes und Provinzialdelegierten zu Verona Josef Freiherr v. Dipauli, Herr und Landmann in Tirol und Steiermark. Der Verblichene war einer der hervorragendsten Vertreter der feudalconservativen Partei in Tirol, in deren Sinne er im Landtage als Vertreter der Städte und Orte Meran, Glurns, Kaltern, Traniin und früher auch im Reichsrathe seine politische Wirksamkeit entfaltete. Einen energischen Verfechter seiner Interessen fand bas Land Tirol an ihm in der Grundsteuer - Regulierung. Er war ein kaisertreuer Patriot in der vollsten Bedeutung des Wortes; im Jahre 1859 organisierte und befehligte er die freiwillige Kälterer Schützenconlpagnie u. nahm an den diesem Jahre folgenden Organisierungen unseres Schützenwesens hervorragenden Antheil. Seine Ansichten hierüber legte er in einer Broschüre: „ Ueber die Neubildung der vaterländischen Landesvertheidigung, Vorschläge und Bemerkungen eines Tiroler Schützen " nieder. Er commandierte auch im Kriegsjahre 1866 eine Schützencompagnie und wurde hierauf Hauptmann desLandessctützenbataillons Oberetschthal Nr. 4 und nachdem er int Verhältnis außer Dienst getreten war, wurde er zum Landsturnl - Conimandanten des Districts Etschund Fleimsthal Nr. 5 ernannt. Als einstiges Mitglied der Landesvertheidigungs - Oberbehörde und des Landesculturrathes entfaltete er ebenfalls rege Thätigkeit. Achtmal rief ihn das allgenieine Vertrauen der Gemeinde an die Spitze ihrer Geschäfte, denen er seit 22 Jahren in aufopferndster Weise Vorstand. In erster Ehe war er vermählt mit Anna Schaffer von und zu Thanheimb, seine zweite ihn überlebende Gemahlin Betty geborne von Schaffer ist eine Base seiner ersten Frau. Aus erster Ehe entstaniult eine Tochter, Gattin des Paul Freiherrn von Biegeleben, k. k. Bezirksgerichtsadjuncten in Bripen, und aus zweiter Ehe staninien eine Tochter und ein Sohn. Der nun nach kurzer Krankheit im Alter von 55 Jahren Verblichene war ein Mann, der seine Kenntnisse und Talente im Dienste seiner Heiniatsgemeinde, des Vaterlandes Tirol und der österreichischen Monarchie mit rühmenswerter Offenheit und Standhaftigkeit verwertete und dessen biedern Charakter auch seine politischen Gegner anerkennen müssen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. März 1883, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4477-todesfall-eines-hervorragenden-tiroler-landtagsabgeordneten-und-1883).

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