(Der Umhausener Wasserfall und der Piburger See im Oetzthal) Während das Hintere Oetzthal durch die Pracht seiner Eisfelder und himmelanstrebenden Berggipfel weltberühmt ist, birgt der vordere Theil desselben zwei Perlen von unvergleichlichem Glanze: es sind das der Wasserfall bei Umhausen und der Pipurger See bei Oetz. Es ist das rühmliche Verdienst der Sektion Amberg des d. u. ö. Alpenvereins, daß sie mit edler Thatkrast hier eingetreten ist und die genannten Naturschönheiten erst recht allgemein zugänglich gemacht hat. Zwar bezüglich des Piburger Sees mußte sich die Sektion Amberg darauf beschränken, bloß die Anregung zu geben und eine stattliche Anzahl von Wegtafeln zu liefern; ausgeführt wurde jedoch der Wegbau von Oetz bis zum See von dem in diesem Jahre gegiündeien Verschönerungsvereine von Oetz, dessen ganz besonders glückliche und für das bäuerliche Element berechnete praktische Organisation hervorzuheben ist: jedes Mitglied zahlt 1 fl. Beitrag oder leistet eine Tagschicht Arbeit. Dieser dem Dorf Oetz zur höchsten Ehre gereichende Verschönerungsveie n, der 55 Mitglieder zählt, stellte einen sehr angenehmen, mit zahlreichen Ruhebänken gezierten Weg zum See hinauf ( » /L Stunden von Oetz entfernt) her und es ist ein hoher Naturgenuß, in der bequemsten Weise, unter rem Schatten der Bäume, an manch ' schönem Aussichtspunkt vorüber zum Mittelgebirg emporzusteigen und den in stiller Walveinsamkeil gebetteten prächtigen See zu umwandeln; der 1. Gebirgsriese von Oetzthal, der schön gebaute Acherkogl, spiegelt sich in seinem dunkeln, stillen Wasser. — Zwei Stunden hinter Oetz, 3 % von der Station Oetzthal, liegt auf schöner Flur Unihausen, in dessen Nähe ( s/i Stunden entfernt) der großartigste Wasserfall von Tirol, der „ Stuiben ", der in zwei Stürzen hernwderdonnert. Die Alpenvereins - Sektion Amberg ließ hier durch den alterprobten Frischmann von Oesten aus einer Strecke von 800 Meter einen neuen Weg Herstellen, der, theilweise auf steinernen over hölzernen Stiegen, den herrlichen gigantischen Doppelsturz sowohl von unten, in der halben Höhe, wie auch von oben mit all seinen Reizen und Wundern schauen läßt und endlich noch über dem Falle in der Nahe der natürlichen Felsenbrücke auf die andere Seite wieder nach
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 30. Juli 1884, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4616-neue-wege-zum-piburger-see-und-stuibenfall-durch-thatkraft-des-1884).
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