Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ROMANISCHER STIL ODER ÄSTHETIK?

Kritik an romanischer Umgestaltung der Jesuitenkirche in Innsbruck

3682 sondern einem gemischten Renaissancestyl zuzuschreibenden Charakter des ganzen Baues dieser Kirche, also auch der Kapelle im Fürstenchore, daß auch hier wie schon anderwärts die Romanisirungsmanie über die unerläßlichen Gesetze der Aesthetik den Sieg davon trug. Wie wir schon seinerzeit in den „ Innsbrucker Nachrichten ", als wir von der geplanten Restaurirung dieser Kapelle in romanischem Style hörten, gegen eine derartige ästhetische Mißgeburt Verwahrung einlegten, ohne daß man unsere Stimme einer Beachtung werth hielt, so müssen wir auch beute noch am Schlüsse unserer gewiß nicht einem Uebelwollen entsprungenen Kritik offen gestehen, daß wir niemals dem gewaltsamen Romanisiren eines ursprünglichen Renaissancebaues zustimmen können. Dieser Vorwurf trifft aber keineswegs die ausführenden Kräfte, sondern einzig und allein den Vater und die Pathen des Projektes. Da das unter dem Namen „ Jesuitenkirche " mehr als unter dem Namen „ Universitätskirche " bekannte Gotteshaus der Oberaufsicht der akademischen Verwaltungsbehörde untersteht, so begreifen wir nur nicht, wie diese eine Durchführung eines der obersten Bedingung der Kunst hohnsprechenden Projektes zulassen konnte. Weil wir gerade bei der Restauration eines kleinen Bruchtheiles der bedeutenden Jesuitenkirche stehen, so können wir im Abhange hiezu noch mit Dank e: wähnen, daß gegenwärtig die schönen Kirchrhüren an den zwei Hauptportalen dieses Gotteshauses einer gründlichen Reinigung von verkrusteten Staub und Schmutz und einer gefälligen Erneuerung des Firnisses unterworfen werden.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. August 1884, S. 10, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4622-kritik-an-romanischer-umgestaltung-der-jesuitenkirche-in-innsbruck-1884).

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