(Die Getreidepreise) haben in diesem Herbste einen Rückgang genommen, wie seil 30 Jahren nicht mehr. Das Getreide ist so billig geworden, daß die ungarische Regierung mit Besorgniß auf die Zukunft blickt, wie es sich mit den Sleuereingängen in der nächsten Zeit verhalten werde, den ^ bei den heurigen Preisen bleibt dem Produzenten wenig oder nichts übrig; und wir hier, was genießen wir von den niederen Getreidepreisen? Ist das Mehl merklich billiger, das Brod größer geworden? Letzteres insbesondere steht bei uns in einem bedenklichen Zustande des Verharrens, wenn es sich darum handelt, daß es wachse, es hat nur die Eigenschaft zusammenzusch umpfen, sobald die Getreidepreise etwas anziehen, für P. kiSsteigerungen ist es ungemein empfindlich, die Rückgänge berühren es aber nicht. Wir wollen von der Qualität des hiesigen Gepäcks, insbesondere davon absehen, daß man hier unseres Wissens gar kein nähr und schmackhaftes Roggenbrov bekommt, wenn es sich die Familien nicht eigens backen lassen, sondern mit einem fast und kraftlosen schwammigen Gebäcke vorlieb nehmen muß, von dem man nicht weiß, ob es Weiß oder Schwarzbrov sein soll; daß das Brod in der Nachbarstadt Hall bedeutend schöner und größer ist, ist bekannt, das aber glauben wir, können die Konsumenten mit Recht verlangen, daß das hiesige Gebäck größer werde, wenn die Getreidepreise fallen und nicht nur sofort kleiner werde, wenn sie steigen. Wir waren keine Freunde der Brod und Fleischtaxen, da wir immer bisher der naiven Ansicht waren, daß sich die Preise naturgemäß von selbst reguliren müssen, die gegenwärtige Getreide - Konjunktur hat uns aber belehrt, daß wir im Jrrthume waren, daß die Bevölkerung wirklich nur dann der Wohlthat billigeren Brodes theilhaftig we den kann, wenn die Behörde dessen Preis, resp. das Gewicht der Mehlprodukte vor schreibt. Nachdem nun auch das Lagerhaus demnächst ein sehr in Betracht kemmerder Faktor zur Regelung der Getreide unv Mehlpreise dahier werden wird, so glauben wir, daß der Zeitpunkt für die Wiedereinführung der Bredtaxe in Innsbruck, so sehr das auch vormärzlich aussehen mag, gekommen ist.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 10. Oktober 1884, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4644-zur-wiedereinfuehrung-der-brodtaxe-in-innsbruck-auf-grund-der-1884).
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