Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
HEILIGE ÜBERGABE – MIT WISSENSCHAFTLICHEN RÜCKSEITEN

Erfüllung des lang ersehnten Plans: Theologische Facultät wird den PP. Jesuiten übergeben

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 18. Mai 1857 · Seite 5
Aus Innsbruck, 8. Mai, schreibt man der »Augsburger Post- Zeitung «, welche kürzlich einer andern Korrespondenz gegen die Berufung der bochwürd. Väter Jesuiten als Tbeologie - Professoren an unserer Universität in ihrem sonst so besonnenen Blatte Raum gegeben hatte — » Nun endlich wird cs mit der Vervollständigung unserer Universität Ernst; die zwei fehlenden Facultäten Theologie und Medizin werden ganz sicher dazu kommen, und dem Volkswitz, welcher unsere Universität bisher die » heil und gottlose" genannt, weil jene beiden Facultäten feblten, ist die Spitze abgebrochen. Die theologische Facultät ist den PP. Jesuiten übergeben und der Vertrag ist mit ihnen endgiltig abgeschlossen, vermöge dessen sie sich verpflichten, die Facultät mit den tüchtigsten Kräften zu besetzen. Die neue theologische Facultät in Innsbruck soll die Stelle eines höheren Bildungs - Institutes für theologische Wissenschaft vertreten, indem das Hausstudium im Seminar zu Briren mit seinen vier Kirchen zur Ausbildung für die praktische Seelsorge dort und so verbleibt, wie es früher bestand. Während dieser Umgestaltung unserer Hochschule beklagt man allgemein die Berufung des Dr. Schenach, Verfasser des Systems des concretcn Monismus, an die Wiener Universität, welcher durch seinen Namen und seine Wissenschaft der jungen Hochschule zu Nutz und Ehre hätte gereichen sollen. Die Lehrkanzel desselben supplirt gegenwärtig Dr. Wildau er, ein sebr fähiger junger Mann und eifriger Anhänger Schenachs, vormals ein trefflicher Lehrer der Philologie am akademischen Gymnasium zu Innsbruck. An der philosophischen Facultät ist noch Manches zu ergänzen, deßhalb wünscht man, daß besonders der altclassischen Philosophie, der deutschen Sprachwissenschaft und den naturhistorischen Studien neue Kräfte zugewendet werden. Für Philosophie und Naturwissenschaft sind wohl Lehrstühle vorhanden; für deutsche Literatur nicht einmal dieses. Und doch ist für Tirol letzteres Fach sehr wichtig, weil in unserem Volke dem wissenschaftlichen Forscher viele alte Sprachüberreste, Gebräuche und Sitten sich darbieten, und dieses Fach wird noch von Tag zu Tag für uns bedeutungsvoller, indem die neueste Forschung in der deutschen Heldensage immer mehr nach Tirol weiSt, wie
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. Mai 1857, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/467-erfuellung-des-lang-ersehnten-plans-theologische-facultaet-wird-den-1857).

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