Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DREI GERÄTE FÜR EINE MILCH

Kritik an der Milchmessung an der Mühlauer Kettenbrücke

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 2. Oktober 1885 · Seite 5
Noch einmal über Milchmessung. Unsere Notiz über die letzte Milchmessung an der Mühlauer Kettenbrücke hat einem Fachmanne Veranlaffung gegeben, neuerdings auf dieses Thema zurückzukowmen. Er schreibt, daß die Messungen, wie fie die Marktbehörde vornimmt, überhaupt nicht richtig sein können, denn mit Senkwage und Thermometer allein kann unmöglich konstatirt werden, ob die ^ ilch gefälscht ist, oder nicht. Dazu bedarf es wett mehr umfassender Untersuchungen. Darüber schreibt unser Gewährsmann: Um genau zu bestimmen, ob eine Milch gefälscht ist, muß zuerst die ganze (nichtabgerahmte) Milch mit dem Lactodenfimeler gewogen, dann dieselbe Milch mit dem Cremometer geprüft und abgerahmt, sodann aber nochmals die abgerahmte Milch mit der Senkwage gewogen werden. Aus dem Resultate dieser drei Meffungen nebst gehöriger Rücksichtnahme aus die jeweilige Temperatur ist erst ein Urtheil über die Qualität der Milch möglich. — Will man eine gewiffrnhafte Prüfung vornehmen, so muß die Milch ( ob von einer oder mehreren Kühen) gut umgerührt werden; dann läßt man den Lactodenfimeler einstnken, liest die Temperatur und auf der gelben Scala die Grade ab. Vielfache Proben an unverfälschter nichtabgerahmter Milch haben ergeben, daß daS spezifische Gewicht derselben bei s - 15 ° 6 1030 ist. Da die Scala des Lactodenfimeters, ebenfalls das specifische Gewicht als Grundlage hat, so muß gute, unverfälschte, nichtabgerahwte Milch zwischen 29 und 33 ° zeigen. Auf die Correction der Temperatur darf nie vergessen werden, da eine Milch die bei s - 15 « 6 30 ° zeigt bei + 10 ° C 29 ° und bei + 27 ° C schon 33° zeigen wird. Hat man nach obiger Weise den Grad der nicht abgerahmten Milch gemeffen, so wird von derselben Milch der Cremometer oder Rahmmesser bis 0 angefüllt, bei einer Wärme von 10 — 15 ° in einer Kammer aufgestellt und nach 24 Stunden die Rahmprozente abgelesen. Die reine Kuhmilch soll nach der Erfahrung wenigstens 10 ° Rahm aozeigen. Nach diesem Vorgang wird der Rahm abgenommen und die abgerahmte ( blau -) Milch nochmals, wie bei der nicht a ' aerabmten Milch be eit»
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. Oktober 1885, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4747-kritik-an-der-milchmessung-an-der-muehlauer-kettenbruecke-1885).

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