Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VON ÖSTERREICH AUSGEWORFEN, IN SCHWEIZ VERBAUT

Vortrag über die Entwickelung der Wildbachverbauung in Tirol und dem Ausland

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 27. Oktober 1885 · Seite 6 · #Flüsse und Wildbäche
6 Erfolge im Drau und Möllthale hinzaweisen vermöge. Uebrigens — meinte Freiherr von Seckendorfs — habe die österreichische Regierung bereits im Jahre 1788 einen Anlauf zur Verbauung der Wildbäche genommen. In diesem Jahre sei vom Statthalter Wenzel Grafen Sauer in Innsbruck ein Aufruf zur Bekänpsung der Wildbäche erlassen worden. Obgleich derselbe sehr beachtenswerthe Vor sckläge enthalte, wäre er jedoch, da ihm keine Gesetzeskraft innegewohnt und für die entsp echenden Geldmittel nicht vorgesorgt war, viel gelesen und gelobt, jedoch ' ald darauf vergessen worden. Auch Duile hätte mit seinem beachte « swerthen Appell an seine Landsleute in Tirol nicht durchdringen können und war gezwungen, da « vom Freiherrn von Aretin 1808 bereits angeregte, von ihm technisch weiter ausgeführte Princip: „ Die Verbauung der Wiidbäche an den Ursprung derselben zu verlegen ", in der Schweiz durchführen zu müssen, denn die nach seine » Vorschlägen in den Zwanziger Jahren im Gosau - Thale ( Salzkammergut) mit Erfolg mittelst Errichtung von 155 Sperren in 21 Wildbächen durchgesühUe Verbauung hätte keine weitere Nachahmung im Lande gefunden. So sei es denn gekommen, daß, obgleich Oesterreich unstreitig die Priorität auf dem Gebiete der Wildbachverbauung gebühre, dennoch die Schweiz und Frankreich, in welchen Ländern der zuerst in Oesterreich ausgesprochene Gedanke ausgeführt und weiter ausgebildet worden ist, heute für dieses als Muster zu dienen hätten. Nachdem der Vortragende noch die Erfolge der französischen StaatSsorstvermaltung auf dem Gebiete der Wildbachverbauung besprochen, schloß er seinen interessanten Vortrag mit dem Appell an die Studierenden: „ Suchen Sie, meine Herren, ihren französischen College » den Rang abzulaufen, die Wege hiezu find geebnet; es ist Ihre Sache dieselben zu betreten.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. Oktober 1885, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4753-vortrag-ueber-die-entwickelung-der-wildbachverbauung-in-tirol-und-1885).

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