Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VÖGEL FÜR DEN KÄFIG

Kritik am Vogelfang und Appell an den Tier- und Vogelschutzverein

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. Dezember 1885 · Seite 5
nicht, welche Bedingungen an solche Linzenzen gebunden sind, und auch nicht ob Unberechtigte von diesen Lizenzen Gebrauch machen, aber das läßt sich auf den Fingern abzählen, daß die Lizenzgebühr von 2 fl. nur eine Bagatelle ist, gegen den Gewinn, den der Berechtigte durch reichliche Ausnützung seines Befugnisses bezweckt, denn die Erlaubnißscheine scheinen eben nicht blos gebrechlichen Leuten gegeben zu werten, welche anderwärts nichts verdienen können, sondern es gehen die rüstigsten zu jedem anderen Verdienste fähigen Männer auf diesen Raubfang aus, muß sich also der hier erzielte Verdienst doch wehr weniger dem anderweitigen Tuglohne gleichstellen oder wohl selben übertreffen. Und bei diesem oft mit rohester Gefühllosigkeit betriebenen Geschäfte assistiren häufig eine Schaar Buben und halten sich an den Fangstellen auch ohne Erwachsene auf. um sich an solchem Gemetzel zu ergötzen und das ohnehin nicht mehr bedeutende Zartgefühl möglichst zu ersticken. Daß diese lieben Jungen dabei ihre Zigarren rauchen, meistens Feuer anwachen und wenn ein Brand entsteht, davon taufe i u. f. w., ist eben eia Anhängsel des gestatteten Vogelfangs, der solchergestalt manchmal den ©. raste» den und Privaten in ihren oznedies kümmerlichen Forsten w it mehr Schaden zufügt, als die paar Gulden für die Lizenz ersetzt. Wir glauben den Gemeinden keinen unausführbaren Rath zu geben, dieselben sollten statt dem mehr erwähnten Befugnisse — durch eine Steuer für die in Käfig ' n gehaltenen einheimischen Singvögel der Kasse eine ergiebigere Einnahme zuführen, und wenn es schon nicht vermieden werden kann (?) den Vogelfang wie - Verkauf empfindlich zu besteuern, wie auch der Magistrat den Verkauf namentlich todter Vögel mit einer wirksamen Abgabe belegen sollte, wie es auch in anderen Provinzstädte« Mick, mit Ausnahme jener, wo derlei Verkauf gänzlich verboten ist. Wir bitten den löblichen Thier und Vogelschutz Verein auf ' s Eindringlichste, uns in diesem Streben kräftigst zu unterstützen. Schließlich appellireu wir, da der Fang der fich hier ohnehin nur in geringer Zahl aufhaltendeu Vögel das gleiche Verhältniß von Barbarei repräseutirt, wie die Massenmorde im Italienischen, an die Noblesse der Feinschmecker, sich daran nicht mehr durch den Genuß dieser getödteten oder — krepierten Thierchen zu bethellizen und ihrem seine » Geschmack durch so viele andere zu Gebote sichende derlei Artikel za fröhnen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Dezember 1885, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4766-kritik-am-vogelfang-und-appell-an-den-tier-und-vogelschutzverein-1885).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Flüsse, Wetter & Naturgewalten“

VON ÖSTERREICH AUSGEWORFEN, IN SCHWEIZ VERBAUT

Vortrag über die Entwickelung der Wildbachverbauung in Tirol und dem Ausland

Innsbrucker Nachrichten · 27. Oktober 1885 · S. 6 · Flüsse, Wetter & Naturgewalten

6 Erfolge im Drau und Möllthale hinzaweisen vermöge. Uebrigens — meinte Freiherr von Seckendorfs — habe die österreichische Regierung bereits im Jahre 1788 einen Anlauf zur Verbauung der Wildbäche genommen. In diesem Jah …

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |