Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GESUNDHEITSDEBATTE IM RAT

Debatte um den Antrag eines Ortsgesundheitsrates für Innsbruck

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 6. Mai 1886 · Seite 6 · #Sanitätspolizei
G. - R. Kerber lenkt das Augenmerk des Magistrats auf den bedenklichen Zustand der Höttingergasse. — Es kam sodann der Antrag des hiesigen Aerzte - Vereines auf Errichtung eines Ortsgesundheitsrathes für Innsbruck zur Verhandlung. ( Unsere Leser kennen denselben nebst seiner Motivirung aus Nr. 93 unseres Blattes). Der Bürgermeister bedauert, daß dieses Schriftstück in die Oeffentlichkeit gelangt ist, denn es ist geeignet, ganz irrige Ansichten über die sanitären Verhältnisse in Innsbruck zu verbreiten. Es sei bei der Sterblichkeitsziffer doch zu berücksichtigen, daß hier das Mutterhaus der barmherzigen Schwestern sich befinde, wo die kranken Ordensmitglieder von ganz Tirol zusammenkonimen, woraus sich die hohe Ziffer für die Lungenschwindsucht ergebe, auch im Spitale sterben eine Menge Kranker, die von auswärts gekommen sind; alle diese Fälle können nicht auf Rechnung der Sterblichkeit in Innsbruck im engein Sinne gesetzt werden. Sicher sei, daß von den Konkurrenten Innsbrucks als Fremdenstadt aus den Ausführungen des Aerzte - Vereins Kapital zum Schaden Jnnsbruck ' s geschlagen werden wird. Es wird die Debatte eröffnet. G. - R. Prof. Nico lad oni begrüßt das Projekt mit Beifall und beantragt den Bürgermeister zu ersuchen, jene Persönlichkeiten auszuwählen, welche am geeignetsten sind, das sanitäre Wohl der Stadt zu wahren. G. - R. Dannhauser: Er habe das Schriftstück des Aerzte - Vereins mit getheilten Gefühlen gelesen. Co sehr er mit dem Anträge einverstanden sei, so groß war das Unbehagen, das in ihm die Veröffentlichung der Motiviruug drsselben hervorgerufen habe. Innsbruck galt bisher als eine gesunde Stadt, nun wird sie öffentlich aus einmal in die Reihe der ungesundesten ver - } setzt. Eine Befriedigung gewährt es allerdings, daß die Herren erklären, es könne Innsbruck in kürzester Zeit zu einer der gesundesten Städte gemacht werden. Wenn das in kurzer Zeit möglich ist, so muß es doch nicht so schlimm stehen. Zustände, wie die in dem Anträge besprochenen, soll man im stillen Kämmerlein erörtern und nicht so leichthin an die große Glocke hängen. Autoritäten, wie Liebig und Petteukofer haben erklärt, daß sich in Innsbruck keine Epidemien so leicht festsitzen können, nun scll das auf einmal anders sein. Es ist auch zu berücksichtigen, daß Laien derartige Erörterungen ganz anders beurlheilen als Fachmänner; es wäre daher zu wünschen, daß die Herren, um falschen Auffassungen vorzubeugen, entsprechende Erläuterungen zrt dem von ihnen Gesagten geben.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 6. Mai 1886, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4805-debatte-um-den-antrag-eines-ortsgesundheitsrates-fuer-innsbruck-1886).

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