Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WELSERIN OHNE SAGENGEWAND

Vortrag über die Welser-Schlösser in Tirol und Philippine Welser in der Innsbrucker Universität

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 28. Februar 1888 · Seite 14 · #Tirolensien
(Die Welser - Schlösser in Tirol.) Am letzten Samstag fand der zweite populäre Vortrag in der Aula der Universität statt, welche bis auf den letzten Platz besetzt war. ES sprach Prof. Dr. Hirn über „Welser - Schlösser in Tirol ". Derselbe führte in sehr gelungener Weise Folgendes aus: Hervorragende Augsburger Geschlechter verstanden es bis zum 16. Jahrh. einen namhaften Besitz in Tirol zu erwerben; die Fugger und Welsergasse erinnern in Innsbruck noch heute daran. Merkwürdiger aber als diese Erwerbungen ist für Tirol der Umstand, daß aus dem Geschlechte der Welser eine tirolische Herrscherin stanimt, Philivpine Welser. Die Erinnerung knüpft in mehr als einem Punkte an sie an, jedoch in nieist sagenhafter Gestalt. Diese sagenhaften Züge nahm der Vortragende von Philippjnens Erscheinung weg, ohne sie deßhalb der interessanten Merkmale zu berauben, die auch der historischen Welserin noch genugsani anhaften. Nun führte Prof. Hirn in lichtvoller Darstellung aus, daß der Erzherzog Ferdinand die schöne Philippine nicht beim prächtigen Reichstage 1548 zu Augsburg kennen gelernt und dann entfüi rt habe, noch daß ihr ein Fußfall vor deni Kaiser zu Prag volle Verzeihung erwirkt habe. Ferdinand lernte Philippine auf einem Loxan ' schen Schlosse in Bödmen kennen, verniählte sich im Jänner 1557 mit ihr und erhielt 1576 die geheime Anerkennung der Ehe. Die nun folgenden Leiden und Freuden der Gatten, die in sehr glücklicher Ehe lebten, beleuchtete der Vortragende nach den Darstellungen, die er in seiner Geschichte Ferdinands von Tirol gegeben. Der liebende Gemahl sorgte für die Gattin schon frühzeitig, um sie vor etwaigen Sorgen der Zukunft zu sichern. 1564 schenkte er ihr das im Vorjahre erworbene Schloß Ambras,, dann Königsberg am Avisio und die zu einem Welser Allode erhobene Hohenburg am Innsbrucker Mittelgebirge. Gegen ein geringes Geld überwies er den Welfern weiter die Propstei Stubai, Salurn, Hörtenberg im Oberinnthale, die Mutter Philippinens, Anna Welser, erhielt die Weiherburg. Bon diesen Schlössern sind besonders Weiherburg, Ambras und Hohenburg wichtig, wo sich das Leben und Treiben des glücklichen Hofes abspielt. Namentlich zwischen Ambras und Weiherburg herrschte ein stets reger Verkehr, der in gegenseitigen Besuchen und Einladungen Ausdruck findet und in der Sage von einer unterirdischen Verbindung der beiden Schlösser angedeutet ist. 1571 starb Anna Welser und wurde in der Pfarrkirche zu Innsbruck begraben. Auf Ambras lebten Ferdinand und Philippine in überglücklicher Stille und zum Segen der armen Bevölkerung der Umgebung, der Philippine
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Februar 1888, S. 14, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5091-vortrag-ueber-die-welser-schloesser-in-tirol-und-philippine-welser-1888).

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