Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ZAHNRAD ZUM ACHENSEE

Einführung der ersten Zahnradbahn Tirols: Jenbach-Achensee-Bahn in Betrieb genommen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 6. Juni 1889 · Seite 8 · #Achentalbahn
8 A. B. Jenbach, 3. Juni. ,,A. B. “ — DaS ist die neueste Signatur, welche im tirolischen V rkehrSleben vom 6. ds. an auf den Plan der Allgemeinheit treten wird. Es ist die Signatur unserer jüngsten Bahn, der Achrnsee - Bahn nämlich. Diese Bahn ist ' vch die erste Zahnradbahn im Lande und darum ( für sehr viele wenigstens, welche die Kahlenbergbahn oder die Rigibahn noch nicht gesehen haben) doppelt interessaut. Die Landschaft, welche unsere jüngste tirolische Bahn durchzieht, ist so allgemein bekannt, daß ich darüber eigentlich nicht « zu sag n brauchte, wenn nicht einige Punkte auf de Bahnlinie waren, die ich doch nicht gerne ganz unerwähnt lassen möchte, weil ste, mit den bisherigen Wegen ( Straße und Steig) in Beziehung genommen, doch neue, merkwürdige Aussichtspunkte bieten. Ich werde dieser dann später denken und zunächst einige Daten über Tirols erste Zahnradbahn bringen. Die Bahnlinie von Jenbach bis Se spitz ist 6 Kilometer und 370 Meter lang. Die Linie geht vom Jenbacher Bahnhofe aus und endet neben den HStel Leefpitz am Achensee. Am Jenbacher Bah Hof selbst wird noch gebaut, als ob die Bahneröffnung erst in ein paar Wachen in Aussicht stände. Die Bergbahn hat folgende Stationen: Jenbach, Eben ( mit dem höchst überflüßigen Zusatze „ in Tirol ") und Achensee. Haltestellen find Burgeck ( zwischen ersteren) und Maurach ( zwischen letzteren beiden). Die Gesammtfahrz it beträgt 42 Minuten. Auf die Stunde berechnet ist dies für die Zahnradftrecke ( Jenbach - Eben) eine Geschwindigkeit von 7 Kilometern, für die AvhäsionSstrecke ( Eden - See) 10 Kilometer. Wie eben angedeutet, ist die Bahn von Jenbach bis Eben eine Zahnradbahn, uyd zwar hergestellt nach dem gleichen System, wie die Bahnen auf den Kahlenberg bei Wien und auf den Rigi. Die größte Steigung liegt zwischen dem 14. und 35. Hektometer; sie beträgt hier 16 %, d. i. ein Ver- Sältniß von circa 1: 7! Die größte Steigung der AvhäsionSstrecke beträgt 25 % ,. Die Spurweite beträgt 1 Meter. Die Maschinen find nach dem System Riggenbach gebaut; sie wiegen 18 Tonnen. Es gibt deren zur Zeit hier 4; die Maschine „ Theodor " war die erste, welche die Strecke befuhr. Die Maschinen sind von der Fabrik Floridsdorf bei Wien geliefert, die Schienen vom Eise werke Zelt weg in der Steiermark, der Oberbau ( Eiserne Schwellen) kam von den Werken in Tesche» und die Waggon « von der Firma Waitzer in Graz. Wie man also sieht, ist nur die österreichische Industrie bei den Lieferungen betheiligt gewesen. Die Waggons find theils „ TouristenwaggonS ", für 60 Persouen, theilS LokalzuzSwaggonS, für je 30 Personen Raum bietend. Die Kosten der Bahn, — um auch von diesem interessanten Kapitel zu reden, belaufen sich auf ein — Milliönchen, — daS will sagen, daß der Rumor über die hohen Fahrpreise, wenn man dieses Moment berücksichtigt, recht überflüssig ist!
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 6. Juni 1889, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5226-einfuehrung-der-ersten-zahnradbahn-tirols-jenbach-achensee-bahn-in-1889).

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