Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
STIMME UND SEELE AUF DER BÜHNE

Theatralische Aufführung von „Mutter und Sohn“ in Landeck mit hervorragender Darstellung der Generalin

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 3. Oktober 1857 · Seite 3
Landeck. v. Payr, Färberm. v. Schwaz. Theatralische Wochenschau. (Eingesandt.) Am 24. v. M. wurde uns Birch - Pfeiffers » Mutter u. Sohn « vorgeführt, ein bekanntes Stück, weßhalb wir über die Mache nichts zu sagen haben, und uns gleich zu den Darstellern und Darstellerinnen wenden, von diesen letzteren bekamen wir eine neue zu sehen ( Fr. Hinterberger) die Generalin, eine Anstandsdame, die ste auch war, nur schrie ste in der Scene mit ihrem Sohne Bruno nach Entdeckung seines Diebstahls nicht ganz anständig und ließ befürchten, daß ste den Rest des Abends heiser sein dürste, aber steh da, wie die Generalin eine Alles überwindende Dame ist, ging Gottlob auch dieser Kehlenangriff glücklich vorüber, und ste war nach 15 Jahren im unveränderten Besitze ihres Organes. — Ihre Sprache war würdevoll, ihr Spiel wirksam, tief durchdacht und in vielen Momenten ergreifend, z. B. in jenen, wo ste am Sofa liegend sich der Erinnerung an ihren Bruno hingibt und in der Versöhnungs - Scene. Dieß Birch - Pfeiffer ' sche Produkt ist so voll Knalleffekte, daß es einer sehr guten Schauspielerin bedarf, um die Klippen zu umgehen, und einen natürlichen Affekt an die Stelle eines Theatercoups zu bringen. Ihr guter Sohn Bruno (Hr. Jäger) war in der That gut, er spielte mit Feuer und Mäßigung zugleich, je nachdem es seine Rolle bedingte, und zeigte uns in dem Augenblicke, wo die Mutter auf ihm zuschreitet um ihn zu beugen, ein sehr gutes Mienenspiel, seine Bemühung den kaum zurückzuhaltenden Zorn zu bemeistern, bis er endlich doch losbrach, war trefflich gezeichnet; dagegen können wir uns mit ihm als Herr von Romedi nicht einverstanden erklären, den abgesehen, daß er als Mann von 35 Jahren, der sich obendrein in der Welt mittellos herumschlug bis er sich Ehrenstellen und Reichthum erwarb; bei diesen Kämpfen wohl genug Kraft, wenigstens genug Vorstellungskunst erlangt haben dürfte, seine Gefühle zu verbergen; so mußte er sich
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. Oktober 1857, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/525-theatralische-auffuehrung-von-mutter-und-sohn-in-landeck-mit-1857).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Literatur, Theater & Musik“

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |