Büchner, Albert Lindner. Das Schemenlaufen in Imst. Jedes Volksfest muß?, soll es anders seine beabsichtigte Wirkung nicht verfehlen und allseitige Anerkennung finden, das unmittelbare geistige Produkt des Volkes selbst sein. Jegliche fremde Zugabe, aufdringliche Bevormundung und Einschulung verdirbt ein solches Fest in seinem innersten Wesen, macht es unnatürlich und steif und schmälert ihm den Beifall des Publikums. Ein Volksfest war auch das Imster Schemenlaufen, welches gestern in Imst stattfand, und zwar ein solchrs, welches, so ganz aus dem Volksgeiste herausgewachsen. des Volkes übersprudelnde Faschingslaune in einer konkreten Erscheinung zur Darstellung brachte und durch seine Einfalt, Natürlichkeit und Unmittelbarkeit von Seite der Zuschauer den größten Beifall erntete. Man würde uns mit vollem Rechte Gleichgiltigkeit gegen Volksgebräuche vonverfen, wollten wir uns das Schemenlaufen, dessen Ankündigung in der Oberinnthaler, nicht „ Laninger " Mundart, wie die „ Innsbrucker Nachrichten" vom 3. ds. irrthümlick schrieben, wir bereits in Innsbruck gelesen, nicht etwa näher anseheu, zumal da uns ein recht günstiger Zufall nach Imst geführt. Bereits um 9V 2 Uhr vormittags kündete eine zu Pferde herumreitende Maskengruppe — ' s Figatter oder ' s Figattaro heißen diese die Imster — an den größeren Plätzen des langgestreckten, schönen Marktes das um 12 Uhr erfolgende Schemenlaufen in witziger Form an. Voran zog dieser Gruppe eine böhmische Musikbande in Frack und Cylinder und das Gesicht mit einer unförmlichen Maske entstellt. Dem Figatter folgte wieder eine Gruppe, aus welcher besonders Doktor Eisenbart hervorragte, der kühne Hühneraugen- Operateur, Mechaniker und „ dumme " Hörer der hohen Wissenschaften. Er war im glücklichen Besitze des „ Steines der Weisen, " welchen er den Zuschauern auch vorzeigte. Da schlug es 12 Uhr mittags; eine riesige Menschenmenge, Kopf an Kopf gedrängt, hatte sich auf dem Pfarrplatze im obern Markte als Zuschauer versammelt, und die Schemenläufer wurden allmählig sichtbar. Sie hatten sich im Gasthause zum Hirschen am Pfarrplatze eingefunden, labten und stärkten sich an Bachus ' zum Frohsinn stimmender Gabe, worauf das Schemenlaufen begann. Den eigentlichen Schemen voran liefen die Sackuer, weißgekleidete Masken mit gefüllten Mehlsäcken in den Händen,
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. Februar 1890, S. 9, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5284-volksfest-schemenlaufen-in-imst-in-alter-tradition-gefeiert-1890).
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