Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
LOTTO: 140 JAHRE GLÜCKSSPIEL IM BLUT

140 Jahre österreichische Lotterie – Ein Capitel der Culturgeschichte

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. Februar 1891 · Seite 7
Das Zahlenlotto. F. L. Nun sind es gerade 140 Jahre, seitdem Oesterreich die kleine Lotterie besitzt. Diese lange Frist wird ein umfassliches Capitel in der Culturgeschichte der österreichischen Länder beanspruchen. Es darf behauptet werden, dass es keine Institution gibt, noch je gegeben hat, welche der Bevölkerung zwangsweise und nur unter Ueberwindung des heftigsten Widerstandes aufgedrängt, allmählig so sehr in das Fleisch und Blut derselben übergegangen ist, dass sich die Lottospieler im Laufe der Zeit aus allen Kreisen und Berufsschichten zusammenfinden. Das Lotto ist wie das Wechselgeschäst und das Bankwesen italienischen Ursprunges. Mailand rühmt sich, die erste Bank errichtet zu haben, Genua niinmt die Erfindung der Zahlenlotterie für sich in Anspruch. Das war um die Mitte des 17. Jahrhunderts. Mit großer Schnelligkeit und auf einem in Anbetracht der damals zu Gebote stehenden Verkehrsmittel beträchtlichen Territorium, verbreitete sich diese gewinnbringende Unternehmung über Frankreich und den größten Theil von Deutschland. Nur im Norden, wo von jeher die nüchterne Betrachtungsweise vorherrschte. fand das wällijche Glücksspiel nicht nur keinen Anklang, sondern begegnete geraume Zeit hindurch sogar offenem Widerstand. In Oesterreich wurde die Lotterie mit 90 Nummern unter der Regierung der Kaiserin Maria Theresia 1751 mit der amtlichen Be eichnung „ Lotto di Genova “ eingeführt und int Wege der Feilbietung pachtweise versteigert. Anfänglich fehlte es gänzlich an Bewerbern und es dauerte ein volles Jahr, bis ein getvisser Graf Cataldi ein Lotto - Privilegium auf 10 Jahre zu pachten sich geneiat zeigte. Das Geschäft gieng anfangs schlecht, so dass nach Ablauf von 10 Jahren der Geueralpächtec in die Ernkueruiig des Privilegs nur dann eingeheu zu können erklärte, wenn den.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Februar 1891, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5412-140-jahre-oesterreichische-lotterie-ein-capitel-der-culturgeschichte-1891).

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