Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
HOFFNUNG IM WAHNSINN

Rücktritt der Altezechen nach Niederösterreichischen Wahlen – Nation legt Geschicke neuen Männern an

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 9. März 1891 · Seite 4 · #Reichsratswahlen
sämmtlich den Grasen Coronini, der einschließlich der Städtestimmen mit 1105 gewählt erscheint. litt KayrsAeschichte. Gesterreich - Angar «. Alle Wiener Blätter besprechen an leitender Stelle den Ausfall der niederösterreichischen Reichsrathswahlen am Donnerstag. Die liberalen Organe betonen einstimmig, wie schmerzlich und das Ansehen Wiens schädigend es sei, dass die Bezirke Neubau, Jo > efstadt und Sechshaus der liberalen Partei verloren gingen und den Antisemiten zufielen. Die Wühler würden noch wohl einsehen, dass von dieser Partei und ihrer Vertretung für die Beseitigung der actuellsten Uebelständc nichts zu erwarten sei - Wenn an dem Ergebnisse etwas tröstlich sei, so sei es die Erkenntnis, dass die antisemrtische Bewegung augenscheinlich ihren Höhepunkt bereits überschritten habe. Dass Lueger im ersten Wahlgange kein Mandat zu erstreiten vermochte, dass der Antisemitismus auf der Landstraße, bisher der „ Hochburg des Antisemitismus ", eine Niederlage erlitten habe — das seien bedeutsame Symptome einer Wandlung zum Besseren. Erfreulicher ist das Resultat bei den Wahlen der niederösterreichischen Landstädte außerhalb Wiens. Vergani in Krems und Fiegl in Baden haben deutsch liberalen Candidalen Platz machen müssen. — Die Altezechen haben also die Flinte in das Korn geworfen, ein Vorgang der ebenso beispiellos im Leben unserer Parteien ist, wie die Niederlage, die sie erlitten. Die Erklärung, mit der sie diesen ihren Schritt motivierten hat folgenden Wortlaut: „ Das Resultat der Reichsrathswahlen in den Landgemeinden sowohl als in den Städten hat unumstößlich bewiesen, dass unsere Nation derzeit in ihrer Mehrheit einer andern politischen Richtung wohl will, als jene war, in welcher dieselbe die ganze constitutionelle Aera hindurch von im Dienste der Nation ergrauten Männern zum ersehnten Ziele opfermüthig und uneigennützig geleitet wurde. Unser Volk hat von heute an seine Geschicke neuen Männern und einer Partei in die Hände gelegt, welche sich bisher mit fruchtbaren und der Nation nützlichen Erfolgen nicht auszuweisen vermag, dafür aber desto schärfer und schroffer die Thaten unserer nationalen Partei kritisierte. Indem wir vom parlamentarischen Schauplatze im Reichsrathe bis zu einer, so Gott will, nicht fernen Zeit abtreten, wo die Nation unsere Dienste wieder fordern wird, behalten wir uns allerdings die unparteiische Kritik aller Schritte vor, welche die freisinnige Partei Mit nationalen Dienste unternehmen wird, um zu erfüllen, was sie versprochen hat. Im Hinblicke auf die große Zahl unserer Parteimitglieder im ganzen Lande und in allen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. März 1891, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5417-ruecktritt-der-altezechen-nach-niederoesterreichischen-wahlen-1891).

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