Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
PROFESSOREN IM WAHLMARATHON

Zweimalige Wählerversammlungen anlässlich der Gemeinderathswahlen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 22. Mai 1891 · Seite 5
H r. (Wählerversammlungen.) Gestern abends fanden anlässlich der bevorstehenden Gemeinderathswahlen zwei Wählerversammlungen statt, eine liberale in Kraft ' s Veranda und eine conservative beim „ goldenen Stern ". Die liberale Wählerversammlung des zweiten Wahlkörpers wurde in Verhinderung des Obmanns des deutschliberalen Vereins, Prof. Stolz, vom Hrn. Oberlandesgerichtsrath Dr. Blaas eröffnet, welcher auch über Verlangen derselben den Vorsitz übernahm. Dr. Blaas gab bekannt, dass aus dem Gemeindeiath die vom 2. Wahlkörper gewählten Herren Hermann Sichler, welcher sein Mandat aus Gesundheitsrücksichten niederlegte, I. G. Knoll, Dr. Kofler und Philipp Mayer ausscheiden. Die drei letztgenannten erklärten sich bereit, ein Mandat wieder anzunehmen unter dem Hinweise auf ihre bisherige Thätigkeit und mit der Versicherung, die Interessen des Stadt und des Wahlkörpers nach besten Kräften vertreten zu wollen. Aus der Mitte der Versammlung wurden noch die Herren Martin Franz, Forst - Obercommissär, F. I. Gassner, Buchhändler und Dr. Otto Köllner vorgeschlagen. Letzterer war nicht anwesend. Herr Gassner erklärte, dass er der ihm von verschiedenen Seiten zugekommenen Aufford, rung, zu candidieren, eingedenk der Bürgerpflicht, Nachkommen wolle, seine politische Gesinnung sei bekannt genug, und auch seine Liebe und Anhänglichkeit zur Stadt Innsbruck, an gutem Willen, zu wirken, werde er es nicht fehlen lassen. Für den telegraphisch zu einer Dienstleistung abberufenen Candidaten M. Franz trat Hr. Hugo Rotier warm ein. Vom vorbereitenden Comitö wurde noch Hr. Oberingenieur Wenzel Hantschke als Candidat vorgeschlagen. Derselbe erklärte, ein Mandat annehmen zu wollen, um gewissermaßen durch seine Mitwirkung an den städtischen Arbeiten der Stadt Innsbruck, in welcher er seit 10 Jahren weile, eine Gegenleistung bieten zu können. Als Techniker und als Obmann des technischen Clubs, welch ' letzterer, wo seine Kraft nicht ausreiche, hinter chm stehe, glaube er der Stadt, deren Arbeiten zum großen Theil technischer Natur sind und für die es nur von Vortheil sein könne, sich billige technische Kräfte zu verschaffen, von Nutzen zu sein. Was seine Gesinnung betreffe, so bemerkte er, ein Techniker könne nur fortschrittlich gesinnt sein.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. Mai 1891, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5446-zweimalige-waehlerversammlungen-anlaesslich-der-gemeinderathswahlen-1891).

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