Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GARTEN DER BEWEGUNG UND BILDUNG

Erhebliche Neuanlagen und Veränderungen im botanischen Garten der Universität Innsbruck

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 22. Mai 1891 · Seite 4
Universität Innsbruck 228 immatriculierte und 29 außerordentliche Hörer der Theologie, 189 immatriculierte und 18 außerordentliche Hörer der rechts und staatswissenschaftlichen Facultät, 210 immatriculierte und 37 außerordentliche Mediciner, 57 immatriculierte und 10 außerordentliche Studierende der philosophischen Facultät, endlich 60 Pharmaceuten, zusammen 838 Hörer, inscribiert. (Am botanischen Garten) wurde eine Reihe von Veränderungen und Neuanlagen durchgeführt, auf welche das Publicum aufmerksam gemacht wird. Die alpine Anlage, naturgemäß der Glanzpunkt des Gartens, dessen Gewächshäuser in Folge mangelhafter Construction und der bescheidenen Raum und Dotationsverhältnisse sehr wenig bieten, zeigt sich jetzt frei dem Beschauer. Die lebende Hecke, die den Einblick in die Anlage wehrte, wurde durch eine leichte Drahtumzäunung ersetzt und ein neuer Weg, an der einen Längsseite des Alpinums, eröffnet. Die alpine Flora steht jetzt im Höhepunkte ihrer Entfaltung, mit Mitte Juni hat die He » rlichkeit meist schon ihr Ende erreicht. Schon im vorigen Jahre wurde eine physiologisch biologische Abtheilung im hinteren, theresianischen Garten geschaffen, der bis dahin nur zum Theil den wissenschaftlichen und belehrenden Zielen eines botanischen Gartens dienstbar war. Diese Anlage wird sich Heuer schon ganz annehmbar präsentieren, Sie wird, so weit es die Raumverhältnisse gestatten, mit der Zeit noch eine Erweiterung erfahren. Vorderhand umfasst sie folgende Gruppen: Pflanzen mit reizbaren, bewegungsfähigen Organen, Kletter und Schlingpflanzen, Parasiten (schmarotzende Pilze und schmarotzende Blütenpflanzen), Humuspflanzen, Pflanzenbastarde, Jnsectensreffende Pflanzen, Verbreitung und Ausstreuung der Samen, Variations - Erscheinungen ( Blütenfüllung, Verbänderung, Buntlaubigkeit, pathologische Monstrositäten), Jsolaterale Belaubung. Naturgemäß sind von den Pflanzen dieser Gruppen oft nur einzelne gerade in der Entwicklung, wo die charakteristischen Eigenschaften oder Erscheiuungen hervortreten. Die Anlage erfordert also einen häufigeren Besuch, heute findet man dieses, morgen jenes. Im allgemeinen dürfte Ende Juni der günstigste Zeitpunkt zum Besuche dieser Abtheilung sein.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. Mai 1891, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5445-erhebliche-neuanlagen-und-veraenderungen-im-botanischen-garten-der-1891).

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