6 Der Denkstein ans Andreas Hsfer ' s, erster Grakstätte in Mantua. Vor mir liegt ein Brief des Herrn Bürgermeisters Heinrich Fischer in Zell am Harmersbach im Großherzogthum Baden; derselbe ist datiert vom 22. October 1890. Sein Hauptinhalt bezieht sich auf die endlich mit Erfolg begleiteten Bemühungen dieses begeisterten Verehrers unseres tirolischen Nationalhelden, die Stelle in der Festung Mantua ausfindig zu machen, wo Andreas Hofer seinen Glauben an Gott, seine Treue zum Kaiser und seine Liebe zum Vaterlands mit seinem Blute besiegelte. Der bezügliche Absatz in dem Briefe lautet: „Als ich vor Jahren Italien geschäftlich bereiste, suchte ich in Mantua auch nach jener Trauerstelle, wo Andreas Hofer getödtet wurde. Man konnte oder wollte mir dieses Stückchen Erde nicht zeigen; man wusste nichts von einem Gedenksteine. Heuer nun habe ich wieder gesucht, und Dank der Mittheilung eines betrunkenen Bettlers, auch gefunden. Ich passierte mit gefundenen Freunden mittelst der langen Brücke den Mincio, beziehungsweise den See, und kam so auf die Seite der Citadella di Brado. Neu erbaute ärmliche Häuser deuten darauf hin, dass man der Citadelle keine große Bedeutung mehr beilegt. Wir fanden nur eine Colonne Granaten und Vollkugeln und endlich sahen wir auch gemütblich drei italienische Soldaten ihr „dolce far niente “ treiben; aber Auskunft konnten sie uns nicht geben Wir befanden uns mitten im Vertheidigungswerke. Wir suchen und endlich stehen wir vor einem meterhohen, viereckigen, unansehnlichen Steine, auf dem geschrieben steht: Andrea « Hofei, 21. Febrajo 1810 (Richtiger sollte es heißen 20. Februar. D. V.) Hier unten bemerkt man, dass das Kreuz hinweggemeißelt wurde und später erfuhr ich, dass auch das österreichische Wappen verschwunden sei. Eine vor Jahren um das bescheidene Denkmal angelegte Baumgruppe zeigt bedeutende Lücken und der Hintergrund — ein Wall — ist mit unansehnlichen Hecken und Gras verwachsen. Recht schmerzlich hat es mich berührt, sehen zu müssen, wie verwahrlost Denkmal und Umgebung ist, und ich dachte so für mich: „ Andreas Hofer, Du hast doch mehr Pietät verdient. " Unter diesen Eindrücken wendete sich Herr Fischer auf seiner Duichreise durch Tirol in Innsbruck an; ie Wagner ' sche Zeitungs - Administration, welche demselben in dieser Angelegenheit in entgegenkommender Weise an die Adresse des Vorstandes des Kronprinz Rudolf Veteranen - Vereins verwies.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 15. Mai 1891, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5442-fund-eines-verwahrlosten-denksteins-fuer-andreas-hofer-in-mantua-1891).
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