Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ALTAR AUS HOLZ UND GESCHMACK

Neuer gothischer Flügelaltar in der St. Nicolauskirche aufgestellt

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 1. Juni 1891 · Seite 4 · #Pfarrkirche St. Nikolaus
In der St. Nicolauskirche, welche den Ausgangspunkt der Procession bildete, ist seit Pfingsten ein neuer Altar aufgestellt. Der Altar, ein Flügelaltar im gothischen Style ist auf Grundlage des Entwurfes des Donibaunieisters Baron Schmid, nach welchem derselbe in Stein auszuführen gewesen wäre, vom Architekten Schmid der hiesigen Glasmalerei - Anstalt für Holzarchitektur umgearbeitet werden. Es ist ein prächtiges Werk zur Zierde des Gotteshauses, zuni Ruhme der Künstler und Werkmeister, die es geschaffen haben und zur Ehre der Gemeinde, die alle Ursache hat auf ihre Kirche stolz zu sein. Die Hauptfiguren des Altars stellen links und reches des Tabernakels den heiligen Florian, Martin, Nicolaus und Sebastian dar, letzter « abweichend von der bisher gang und gäbe gewesenen, wenig geschmackvollen Darstellung mit den Pfeilen im Leibe, als römischer Krieger aufgefasst; zu beiden Seiten des Altars befinden sich die Statuen des Heiligen Petrus und Paulus; über dem Tabernakel, im reichen gothischen Maß u. Stabwerke steht das Cruzisix. Die Flügelthürm sind auf der Innenseite mit der Darstellung der Geburt Christi und der Huldigung der heiligen Drei - Königen Relief, von außen niit Gemälden geziert, deren Vorwürfe der Leidensgeschichte Christi entnommen Z sind. Die Bildhauer - Arbeit so wie deren Fassung ist vom Meister Eberhart in Wilten, die Gemälde an der Außenseite der Flügelthüreu sind Werke des Malers Raben st einer dahier. Die reiche Ornamentik des Altares ist vom B ldhauer Egg dahier, einem Schüler der Kölner Dom - Bauhütie, geschnitzt, die Faßmalerei der Architektur ist vom Maler Sailer in Wilten ausgeführt worden und die Tischlerarbeit des Altars stammt aus den Werkstätten von And ergasser und Diechtl in Hall. Nicht in letzte Reihe zu stellen ist die Kunstfertigkeit, mit welcher Gürtlermeister Rappel in Schwaz die Altarleuchter, die zwei mächtigen Candelaber zu Seiten des Altars und vor allem andern die Monstranze ausgeführt hat. Die kostbare Monstranze ist eine Spende der Frauen und Jungfrauen des dortigen Pfarrsprengels, durch deren Sammlungen sie bestritten und mit den von denselben gespendeten Edelsteinen sie geschmückt ist. Wir sind der Ansicht, dass wir nicht zu viel sagen, wenn wir behaupten, dieser Altar, der in so vollem Einklänge mit dem stolzen Bauwerke und mit der Wandmalerei des Presbyteriums steht, ist eine Sehenswürdigkeit der Stadt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Juni 1891, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5449-neuer-gothischer-fluegelaltar-in-der-st-nicolauskirche-aufgestellt-1891).

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