Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ARBEIT UND TODESSTOFFE

Gesundheitliche Gefahren bei körperlicher Arbeit und Tunnelbau

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. März 1892 · Seite 9
Durch Uebertragung von Finnen vom Schweine oder Rinde ist auch, insbesondere bei Metzgern, die Erkrankung an Bandwurm herzuleiten. Beim Baue des Gotthardtunnels erkrankten die Arbeiter an einer eigenen Art von Anämie, deren Ursache ein kleiner Eingeweide Wurm war. Derselbe saugte sich im Darme an, entzog demselben Blut und wenn sich eine größere Menge solcher Thierchen im Darme ansetzte, so war der Betreffende ein unrettbares Opfer des Todes. Die Haltung ist ebenfalls von großem Einfluss für die Gesundheit des Arbeiters. Arbeiter, welche sitzen, stellen einen doppelten Percentsatz zum Heere der Lungenleidenden als solche, welche stehen. Fortwährendes Stehen bei der Arbeit hat Plattfüße, wenn das Knochengerüst noch nicht vollständig entwickelt ist, also bei jugendlichen Arbeitern, die sogenannten 0 und X - Füße zur Folge. Fortwährendes Bücken bei der Arbeit verursacht Blutandrang zum Kopfe, Neigung zum Schlagflusse und Krümmung der Wirbelsäule. Kniende Beschäftigung veranlagt zur Kniegelenksentzündung. Alle jene, welche schwere Arbeiten zu verrichten haben, leiden an Lungen oder Herzerweiterung oder an Leistenbrüchen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. März 1892, S. 9, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5551-gesundheitliche-gefahren-bei-koerperlicher-arbeit-und-tunnelbau-1892).

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