Miirx. Den Großtheil der Sitzung nahmen die Verhandlungen wegen Ueberlassung des ehemaligen Spitalgartens an das Postärar zum Baue eines neuen Postgebäudes daselbst in Anspruch. Dies war wohl auch der Grund der äußerst seltenen Erscheinung, dass sich zur Sitzung eine Zuhörerschaft einfand. Zum Beginne der Sitzung rügte GR. PH. Mayr zwei Uebelstünde im Theater, nämlich die „Rücksichtslosigkeit ", mit welcher die Damen in den Parterre und Sperrsitzen durch das Nichtablegen ihrer Hüte den anderen Theaterbesuchern die Aussicht auf die Bühne versperren. In zweiter Linie tadelt er das Klatschen des Publieums bei offener Scene, welches eine Störung des Kunstgenusses und ein Herausreißen des Zuhörers aus der Illusion zur Folge habe. Redner wünscht, dass das Theater - Comitö diese zwei Punkte sehr in Erwägung ziehe und bei Beginn der nächsten Theatersaison seine Wünsche in diesbezüglichen Verordnungen Ausdruck finden, wie solche Verordnungen bei allen größeren Theatern auswärts bestehen. GR. Riegl tadelt den verwahrlosten Zustand des Parkes am linksseitigen Jnnufer. Der Vorsitzende, Bürgermeister Dr. Heinrich Falk, gibt die Zusicherung, dass ein Parkwächter schon bestellt und der städtische Gärtner demnächst den Park Herrichten werde. GR. Dr. Ko fl er erkundigt sich um den Stand der Vorarbeiten zur Restaurierung des goldenen Dachls. Er wünscht, dass diese Arbeiten möglichst beschleunigt werden, damit sie bis zum Spätherbste vollendet seien. Der Vorsitzende erklärt, dass ein Plan für die Restaurationsarbeiten fertig gestellt sei, derselbe werde noch einer fachmännischen Begutachtung in München unterzogen werden. Indes sei es, abgesehen von dem Umstande, dass das nothwendige Geld noch nicht vorhanden ist, unmöglich die Erneuerung des goldenen Dachl imheurigen Herbste zu vollenden. Nach Uebergang zur Tagesordnung gibt der Vorsitzende ein gedrängtes Bild über die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand der Frage des Neubaues eines Postgebäudes. Wie bekannt hat der Gemeinderath am 24. Juni 1890 beschlossen, die Area des alten Spitalgartens im Ausmaße von 3086 m 2 um den Preis von 24688 Gulden dem Postärar zum Baue eines neuen Postgebäudes zu überlassen und mit diesem Anbote bis 1. Juli 1891 im Worte zu bleiben. Die Verhandlungen haben sich aus mannigfachen Gründen verzögert, verschiedene Corporationen und Private richteten Eingaben an das Handelsministerim, worin der genannte Platz als ungeeignet bezeichnet wurde u. s. w. Die Folge hievon war, dass das Ministerium in dieser Angelegenheit bis zum 1. Juli 1891 nicht schlüssig wurde und die Zusage des Gemeinderathes verfiel. Neuerlich ist die Frage wieder sehr acut geworden und wie unsere Leser wissen, ist erst in den jüngsten Tagen eine Commission des Handelsministeriums hier gewesen, um sich an Ort und Stelle über diese Angelegenheit zu unterrichten. Das Resultat dieser Verhandlungen ist unfern Lesern gleichfalls bekannt, nämlich, dass die Commission in erster Linie sich für einen Neubau und zwar im allen Spitalgarten aussprach. Nach dem vorliegenden Situationsplane soll das neue Postgebände ein drei Stock hoher, freistehender, schöner monumentaler Bau werden. Wenn einmal die Besitzer der angrenzenden Gärten den Grund zum Straßenbau hergeben werden, wird das Postgebäude von 4 Straßen umgrenzt sein.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. März 1892, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5552-verhandlungen-um-den-spitalgarten-zum-postgebaeudebau-in-miirx-1892).
(Camera obscura.) Eine Sehenswürdigkeit von ganz besonderem Reiz ist die seit wenigen Tagen bei der Jnnbrücke aufgestellte Camera, obscura des Herrn Spörle. Der in dem Zelt befindliche Besucher kann die geringsten Detail …
Es wird sodann zur Abwicklung der Tagesordnung geschritten, als deren erster Punkt die vielbesprochene Frage wegen Ueberlassung des städtischen Baugrundes zum Baue eines neuen Postgebäudes im ehemaligen Spitalgarten ersc …
(Neue Erfindung.) Seit einigen Tagen sieht man in der Auslage des hiesigen Uhrmachers Thomas Leitner, Maria Theresien - Straße 39, eine neue elektrische Uhr in Thätigkeit. Es wurden bisher schon so manche elektrische Uhr …
(Telephonierte Oper.) Massenet ' s Oper „ Le Mage" wurde vorgestern auf dem neuen Telephonkabel von der Pariser großen Oper nach dem Londoner General« Postamt mit bestem Erfolge telephoniert. …
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