Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
POSTAMT IM SPITALGARTEN – ZU TEUR UND ZU KLIN

Lebhafte Debatte um Bauplatz für neues Postgebäude im ehemaligen Spitalgarten

Es wird sodann zur Abwicklung der Tagesordnung geschritten, als deren erster Punkt die vielbesprochene Frage wegen Ueberlassung des städtischen Baugrundes zum Baue eines neuen Postgebäudes im ehemaligen Spitalgarten erscheint. Die Debatte über diesen Gegenstand wurde sehr lebhaft geführt und nahm zeitweise einen sehr erregten Charakter an. Das Handelsministerium hat in einer Zuschrift an den Magistrat erklärt, auf das letzte Offert des Gemeinderathes, in welchem bekanntlich der genannte Bauplatz um 40000 fl. angeboten wurde, nicht eingehen zu können, da dieses Offert eine wesentliche Steigerung des am 25. Juni 1890 gestellten Kaufpreises bedeute. Auch auf das zweite vorgelegte Project, die benachbarten Gärten zum Banplatze mit zu erwerben, könne das Ministerium nicht eingehen, weil, abgesehen vom Preise, der hiedurch gebotene Raum zu klein sei. In der genannten Zuschrift wird unter anderem auch an die Opferwilligkeit der Stadtvertretung appelliert, durch welche eben, gleichwie in anderen Städten der Bau eines vollkommen entsprechenden Postgebäudes ermöglicht werden könne. Schließlich erklärt das Handelsministerium nur unter der Voraussetzung das Project eines Neubaues für das Postamt aufrecht erhalten zu können, wenn die Stadtvertretung das ursprüngliche Offerte aufrecht erhalte und mit diesem bis zum 31. December 1893 im Worte verbleibe. Das Finanz - Comits hat nun mit Mehrheit sein Gutachten dahin abgegeben, dass der Gemeinderath bei seinem letzten Offerte verbleiben und erklären möge, nicht in der Lage zu sein, dem Aerar den Bauplatz billiger zu geben. Dieser Antrag des Comitäs wird damit begründet, dass der Preis der Gründe in Mitte der Stadt bedeutend gestiegen, dass ferner durch das Vorrücken das Postgebäudes die Realschule an Licht und Luft bedeutend beeinträchtigt und die südlich vom Ursulinenkloster gelegenen Baugründe entwertet würden. Nur im verhältnismäßig hohen Kaufschilling könne ein theilweiser Ersatz gesunden werden für die großen Nachtheile, welche der Gemeinde durch die Ueberlassung des Platzes erwachsen, abgesehen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. August 1892, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5609-lebhafte-debatte-um-bauplatz-fuer-neues-postgebaeude-im-ehemaligen-1892).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Erfindungen, Post & Telegrafie“

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |