Die Vollversammlung des volkswirtschaftlichen Vereines, welche gestern abends beim „ goldenen Löwen " statt hatte, erfreute sich eines ungemein starken Besuches ( der Saal erwies sich als zu klein und musste das Nebenlocal mitbenützt werden), der hinlänglich bewies, dass das Interesse an der Regelung unserer Valuta ein allgemeines ist. Der Professor der Nationalökonomie an unserer Universität, HerrDr. Viclor Mataja, der bekanntlich als Experte in die Valuta - Commission berufen worden war, gab in seinem ungemein durchsichtigen und klaren Vortrage über das eingangs erwähnte Thema ein Bild über die Währungsfrage in Oesterreich und die Nothwendigkeit der geplanten Reform derselben. Die Frage der Valutaregelung, begann der Redner, ist weiter nichts anderes, als die Frage des Ersatzes der gegenwärtigen Geldwährung durch eine andere. Valuta bedeutet ja nichts anderes, als das im Umlauf befindliche Geld eines Staates. Tritt man nun an eine Reform der Währung heran, so ist es nur begreiflich, dass man sich frägt, was ist die wichtigste Eigenschaft des Geldes, damit wir darnach ermessen, inwieweit das bestehende Geld den Wertanforderungen eines Geldes entspricht, und iu welcher Richtung wir ein künftiges Geld zu suchen haben. Die für das große Publicum sehr schwer zu findende Antwort auf diese Frage ist für den Theoretiker ungemein leicht. Die wichtigste Eigenschaft des Geldes ist nämlich die Wertbeständigkeit. Das Geld ist ja für unsere heutigen volkswirtschaftlichen Zustände das Mittel, der Behelf, der Ausdruck, in dem wir rechnen, indem wir die künftigen Bedürfnisse unserer Wirtschaft veranschlagen, die Opfer, die wir heute bringen für einen künftigen Zweck, gegen andere abwägen. Wie schwer wäre es z. B. für einen Kaufmann, der irgend eine Waare verkauft, auf die Marktlage calcuüert, wenn das Geld nach 3 — 6 Monaten zur Zahlung gefordert wird, dasselbe an Wert zugenommen hätte. Die sichersten Calculationen würden dadurch zu Wasser. Wenn nun auch der Fall nicht so crass auftritt, dass das Geld in einigen Monaten so rasch gewinnt oder verliert, so geht man doch im wirtschaftlichen Leben eine Menge von Transactionen und Verpflichtungen ein, die sich auf Jahrzehnte erstrecken ( Hyporhekarschulden, Versicherungen rc.). Alle die Berechnungeu bei Eingehen eines solchen Geschäftes können durch eine Wertschwankung des Geldes
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 29. März 1892, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5553-vortrag-ueber-die-waehrungsfrage-und-nothwendigkeit-der-reform-1892).
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