Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GRUNDBUCH-DEBATTE OHNE ENDE

Antrag Wackernells zur Vertagung der Verfachbuchreform mit Mehrheit angenommen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 4. April 1892 · Seite 5 · #Grundbuch
4 kommen nie über die periodische Hypothekarerueuerung hinaus. Diese wurde aber laut Ausschussbericht von allen Mitgliedern des Ausschusses einhellig perhorresciert. Abg. Dr. Kathrein erklärte, er stehe bei dem Anträge Wackernells. Die Vertagung sei angezeigt. Die Mehrheit des Landes habe schon früher erkannt, dass das Grundbuch für unser Land nichts tauge. Das Verfachbuch ist aus den eigenthümlichen Verhältnissen des Landes herausgewachsen, seine lange Dauer beweist seine Lebensfähigkeit. Wir geben zu, es hat große Mängel, aber diese wollen wir eben verbessern; wie, das heute zu sagen wäre schwer. Aber in einem Jahre werde man wohl sagen können: So wollen tvir es. Abg. Dr. W a ck e r n e l l, welcher hierauf das Wort ergriff, wandte sich unter anderem gegen den vom Abg. Dr. Blaas erhobenen Vorwurf des Widerspruches in seinen Ansichten; er » volle nicht das gegenwärtige Verfachbuch, wohl aber ein reformiertes. Nach einer kurzen Bemerkung Zallinger ' s erhielt Referent Dr. v. Grabmayr das Schlußwort. Er führte zunächst aus, daß die heutige Verhandlung wenigstens ein Ergebnis gebracht hat, die Ueberzeugung: Das heutige Verfachbuch ist zum Tode verurtheilt. Was an seine Stelle zu treten habe, darüber sind die Meinungen getheilt. Auf die Reformierbarkeit des Verfachbuches übergehend bemerkte er, dass schon 1884 beim hiesigen Oberlandesgerichte ein solcher Reformentwurf ausgearbeitet worden ist. Redner sei von dem Entwürfe, der denn auch dort liegen blieb, nicht wenig enttäuscht worden. Wenn nun ein Baron Mages, auf dessen Ausführungen sich die Gruudbuchsgegner einigemal stützten, nicht im Stande war, einen genügenden Reformentwurf zu finden, glauben Sie, rief Redner der Gegenpartei zu, daß Sie ihn finden werden? Nach noch einigen replieiercnden Bemerkungen auf Aeußerungen früherer Redner schloss Dr. v. Grabmayr mit den vergleichenden Hinweis auf die Valutaregulierung im Reiche, neben die er die Grundbllchseinführung in unserem Lande stellte, und mit einem Appell an das Haus zu Gunsten seines Antrages eventuell des Antrages des Abg. Dr. v. Riccabona. Es wurde nun zur Abstimmung geschritten und zwar zunächst über den Antrag Wackernell, der gegen die ursprüngliche Formulierung eine kleine Modifikation erhalten hat und nun lautet: „ Es sei die Beschlussfassung über die Art der Reform der Verfachbücher ( ursprünglich hieß es der öffentlichen Bücher) in Tirol, deren Nothwendigkeit anerkannt wird, einstweilen zu vertagen, jedoch als unvermeidliche Vorarbeit die obligatorische Jdentificierungßdes gesammten Realbesitzes in Tirol mit Zugrundelegung der neuen Parcellenoperate durchzuführen. " Die Abstimmung war über Antrag Heppergers eine namentliche. Für den Antrag Wackernells waren 24, dagegen 19 Stimmen, letztere bestehend aus denen der Liberalen, Grass u. Riccabonas. Der Antrag ist somit angenommen. Damit entfiel die Abstimmung über die übrigen Anträge.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 4. April 1892, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5555-antrag-wackernells-zur-vertagung-der-verfachbuchreform-mit-mehrheit-1892).

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