Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MEDICI-PRINZESSIN ÜBERNIMMT TIROL

Regentschaft der Fürstin Claudia Medici in Tirol während des 30jährigen Krieges

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 22. Juli 1892 · Seite 8 · #Tirolensien
Das Haus Medici i « Tirol. *) i. Im Juni 1626 hatte Kaiser Ferdinand IL seinem Bruder Erzherzog Leopold V., welcher bis dahin Tirol und die Vorlande als Landverweser regiert hatte, die volle Landesherrlichkeit abgetreten, in den Vorlanden allerdings erst mit der Rechtswirksamkeit vom September 1630. Kurz zuvor, im April 1626, war der Erzherzog in Rom gewesen, um von dem hl. Vater, Papst Urban VIII., die Dispens zu seiner Vermählung mit Claudia Felicitas Medici, Tochter des Großherzogs Ferdinand von Toscana und Witwe des letzten Herzogs von Urbino zu erwirken. Den Rückweg nahm Leopold über Florenz und traf sofort nach seiner Ankunft in Innsbruck Anstalten zur Hochzeitsseier, welche zu den glanzvollsten Festen zählte, welche Tirols Hauptstadt jemals gesehen hatte. Allein schon 6 Jahre später trug die Fürstin den Witwenschleier. Auf einer Jagd » im Achenthale zog sich ihr Gemahl eine innere Verletzung zu, wurde von einem „ hitzigen Fieber " befallen, nach Schwaz gebracht, uud verschied dort am 13. September 1632. Unter der Obervormundschaft des Kaisers Ferdinand II. und später seines Sohnes und Nachfolgers Ferdinand III., führte Claudia Medici bis 9. April 1646 die Regentschaft. Ungeachtet der unablässigen Regierungssorgen, widmete sie sich mit zärtlicher Sorgfalt der Erziehung ihrer Kinder, zweier Prinzessinen, Jsabella Clara nachmals Gemahlin des Herzogs Karl III. von Mantua, und Maria Leopoldina, später vermählt mit Kaiser Ferdinand III., und der beiden Prinzen Ferdinand Karl geb. 1628 und Sigismund Franz geb. 1630. Die Regentschaft der Medicäerin fällt in die ereignisreichste Periode des 30jährigen Krieges. Unter den unablässigen Unruhen, Gefahren und Geldkrisen hatte Tirol, wenn auch nicht unmittelbarer Kriegsschauplatz, so doch demselben nicht entrückt, schwer zu leiden. Wie allerwärts, bildeten auch hier die nothleidenden Finanzen und das Milizwesen die fortwährenden Streitobjecte zwischen den Ständen und der Regierung. Allein gerade diese Schwierigkeiten und Kämpfe steigerten die Thatkraft der Regentin, vermehrten ihre Ausdauer und obwohl eine treue Dienerin der Kirche, setzte sie, wenn es sein musste, ihren Willen selbst gegen die geistlichen Stände der Hochstifter und Abteien durch. Mit intuitivem Verständnis und scharfem Auge beurtheilte die edle Frau die Personen ihrer Umgebung nach dem. was sie in Wirklich- *) Nach handschriftlichen Quellen und Dr. Josef Egger ' s Geschichte Tirols II 1876, Buch 50, § S 7
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. Juli 1892, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5603-regentschaft-der-fuerstin-claudia-medici-in-tirol-waehrend-des-1892).

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