Der Direktor der statistischen Centralcommission, Hofrath K. Th. v. Jnama - Sterncgg, veröffentlichte vor einigen Tagen in der Wiener Zeitung einen Bericht über die Bearbeitung des Rohmaterials j der Volkszählung von 1890, welche dritthalb - Jahre in Anspruch nahm und am 15. ds. zum Abschlüsse gebracht worden ist. Für diese Arbeiten war eigens ein neues fünfstöckiges Haus gemiethet worden, wo Tag und Nacht mehrere hundert Personen schichtweise beschäftigt waren, das massenhafte Material zu bewältigen. Der Maximalstand der Arbeitskräfte erreichte im November 1891 die Zahl von 448 Individuen. Diese Zählarbeit war deshalb besonders bemerkenswert, weil bei derselben zum erstenmale in Oesterreich die Lochmaschinen zur Markierung der für jeden Einwohner herzustellenden Zählkarten und die elektrischen Zählmaschinen zur statistischen Zusammenfassung der Daten der Zählkarten angewendet worden sind. In den ersten Monaten des Jahres 1893 wurden die Summarien der Volkszählung ausgestellt, und vom Juni bis October lief in fünf Sendungen das Riescnmaterial der Anzeigezettel und Aufnahmsbogen aus den einzelnen Ländern ein, die, in mehr als tausend Kisten verpackt, einen Würfel von mehr als tausend Kubikmetern bildeten. Jede dieser Sendungen musste vor dem Eintreffen der nächsten geordnet und erledigt werden. Es geschah dies mit Hilfe von 220 Lochmaschinen, welche 24 Millionen Jndividual - Zählkarten herzustellen hatten, auf deren jeder durch Einschlagen von 20 bis 24 Löchern sämmtliche charakteristischen Eigenschaften jeder gezählten Person ausgedrückt wurden. Anfangs vermochten die damit beschäftigten Hilfsarbeiter im Tage nicht mehr als 400 durchlochte Karten zu liefern, später stieg die durchschnittliche Leistung jedes Arbeiters im Tage auf 800 Karten, und einzelne, besonders fleißige und geschickte Ar- 25. Jakob Apostel. Mittwoch 26. Mutter Anna, voumstag 29. Martha I. Sonntag 30. Abdon u Sennen. beiter brachten es bis auf 1400 Karten im Tage. Am 15. September 1891 wurden zwölf elektrische Zählmaschinen, jede mit siebzig Zahlwerken, in den Dienst gestellt, nachdem sie vorher ein Jahr lang erprobt worden waren. Zuerst wurden die Menschen nach dem Verhältnisse ihrer Zuständig- \ feit und ihres Aufenthaltes gezählt, wobei 300 i politische Bezirke und autonome Städte und eine Anzahl fremder Staaten in Betracht kamen, doch gelang es, die verwickeltsten Zuständigkeitsverhältnisse und ihre Beziehungen zum Aufenthalte mit Hilfe der Zählwerke der Zählmaschine zu lösen. Hofrath v. Jnama - Sternegz gibt bereits einige interessante Ergebnisse dieser Zählungen nach der Zuständigkeit.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Juli 1893, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5706-abschluss-der-volkszaehlung-von-1890-nach-dreieinhalbjaehriger-1893).
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