Aus aller Welt. (Glockncrbesteigungen im Winter.) Anlässlich des in den Weihnachtsfeiertagen auf dem Großglockner vorgefallenen Touristenunglücks erinnern Wiener Blätter an einzelne bi her im Winter ausgeführte Besteigungen d eses Gebirgsriesen. Die erste derartige Tour vollführte am 2. Jänner 1875 der Engländer William A. Baillie - Grohmaun mit den Führern Peter Groder, Josef und Andrä Kerer und Caspar Gorgasser. Die Fünf kamen bei 20 Grad Kälte in die Jörgenhütte im Ködnitzthale, brachen hier nachts 12 Uhr auf und erreichten um 10 Uhr vorm, die Spitze des Großglockners. Je höher sie kamen, desto mehr nahm die Schneelage ab, und desto wärmer wurde es; auf der 3797 Meter hohen Glocknerspitze, die ganz vereist war, notierte man nur 7 ° 5 Grad Celsius Kälte. Dieser ersten „ Neujahrstour " folgte am 20. /27. December 1890 die erste von Herrn Victor Josef Pillwax mit den Kaiser Führern Peter Unterberger, Sebastian Hutter und Christian Bollaus unternommene Weihnachtstour ans den König der Hohen Tauern. Diese Tour scheint ganz in derselben Weise erfolgt zu sein, wie sie die Herren Dr. Kohn, Dr. Patzau und Pick beabsichtigten. Man brach am 26. December um 7 Uhr früh von Kals auf und stieg zunächst das Ködnitzthal aufwärts bis zur Jörgenhütte, wo — bei 10 Grad Celsius Kälte. — die Schneereifen angelegt wurden. Diesmal nahm also nicht, wie bei Grohmanns Neujahrs- Partie, der Schnee mit der Höhe ab. Auch wurde es gegen den Ködnitzgletscher hin nicht wärmer, sondern constant kälter. Schon auf der Adlersruhe ( 3463 Meter) hatte man — 15 Grad Celsius, und die Erzherzog Johann - Hütte daselbst war so verschneit, dass sie erst ausgegraben werden musste. Am 27. December um 8 Uhr früh brach man bei — 18 Grad Celsius und heftigem Sturm und Nebel zur Spitze auf. Der Steilhang zum Kleinglockner wurde mittelst rasch hergestellter Stufen in schnellem Tempo bezwungen, dagegen bereitete die vollkommen vereiste Glocknerscharte einigermaßen Schwierigkeit. Die Sicherungsdrahtseile ragten frei aus dem Firn, waren aber ziemlich dick mit Eisanhang bedeckt. Um 9 Uhr 36 Min. wurde der Gipfel des Großglockners erreicht, doch konnte man der niedrigen Temperatur (
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. Jänner 1894, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5752-winterbesteigungen-des-grossglockners-und-erinnerung-an-fruehere-1894).
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