Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VON NÜSSEN, HONIG UND GUTEM OMEN

Ueber die alten und neuen Neujahrsgeschenke in Städten und Rom

in einer Dresdener Korrespondenz im Jahrganze 1825 des Cotta ' schen „ Morgenblattes ". Dort wird über Dresdener Neujahrsgebräuche berichtet und dazu bemerkt: „ Noch hat das Beispiel der Berliner, welche die Pflicht der Gratulationen durch reiche Spenden an die Armen abkaufen, hier keine Proselyten gemacht ". ^ Desgleichen meldet das Bregenzer „ Wochenblatt " unterm 23. December 1821 aus Feldkirch, dass sich bei dieser Gelegenheit der wohlthätige Sinn der Bewohner jener Stadt zur Unterstützung der Armen bewährt habe, und ähnliche Zeugnisse werden sich sicherlich noch mehrere finden, wenn man darnach forscht. *) Bei den alten Römern heißen die Neujahrsgeschenke nach einer sabischen Göttin Strenia gewöhnlich, 8tr6uae ®, woraus das französische „ Areones* geworden ist. In Rom beschenkte man sich zum Jahreswechsel „ boni ominis causa ®, damit es eine gute Vorbedeutung sei, und die Geschenke waren daher im Anfang auch äußerst einfach, da sie ja nur den guten Willen des Spenders, nicht seinen Reichrhum beweisen sollten. Man sandte Backwerk und Früchte, wobei die letzteren, wie bei uns die Weihnachtsnüsse und - Aepfel, mit Goldschaum überzogen wurden. Unbemittelte gaben gewöhnlich erngestampfte Datteln oder Feigen oder auch eine Honigwabe, das Eine oder das Andere aber immer vergoldet; auch steckte man ein As, die geringste der im Umlauf befindlichen Münzen, hinein Mit dem steigenden Luxus hob sich auch der Wert dieser Neujahrsgeschenke; man übersandte die Hrüchte in Gefäßen aus Edelmetall, die dann ebenfalls in den Besitz des Beschenkten übergingen, fügte auch wohl schöne Kleidungsstücke, Schmuckwaren und andere Kostbarkeiten hinzu. Geld trat später an die Stelle der Früchte, und wie jeder Client dem Patrizier, den er sich zum Patron erkoren hatte, am Neujahrstage ein kleines Geschenk machen musste, so forderten nachher die Kaiser einen gleichen Tribut von allen Bewohnern Noms. Auch bei uns war das Schenken zum neuen Jahr ehemals allgemein üblich. Nachweisbar von der Mitte des 14. Jahrhunderts an bis in die neuere Zeit erhielten in den freien Städten diejenigen Rathsmitglieder, welche das Amt eines Rechenmeisters verwalteten, sowie die Stadtschreiber und die Diener ein Geldgeschenk aus der städtischen *) Eine Neujahrs - Entschuldigungskarte von Brixen aus dem Jahre 1824 reproduciert die gestern erschienene Nummer der „ Brixner Chronik " Sie ist in der Größe und dem Format einer Visitkarte mit einer leichten Randeinfassung und enthält folgenden Text: „ Brixen für das Schaltjahr 1824. — Wer den Armen ertheilet, der wird keinen Mangel leiden; wer aber den
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 30. Dezember 1893, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5751-ueber-die-alten-und-neuen-neujahrsgeschenke-in-staedten-und-rom-1893).

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