Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
FRIEDHOF IM STADTKRIEG

Beschlussfassung über den Standort des neuen Friedhofes in Hall

(Aus Hall) wird uns geschrieben: In der vergangenen Woche wurde hier eine Bürgerausschusssitzung abgehalten, wozu über besondere Einladung auch der Herr Statthaltereirath Edler von Maurizio erschienen war, um über die Friedhoffrage Beschluss zu fassen. Der gegenwärtige Friedhof soll schon am 15. April geschlossen werden. Das ist Beschluss der Sanitätsbehörde. In Folge dessen bleibt dem Bürgerausschusse nichts übrig als in den sauren Apfel zu beißen und über die Errichtung eines neuen Friedhofes Beschluss zu fassen. Nun fragt es sich: Wohin soll derselbe gesetzt werden? Es bestehen diesbezüglich verschiedene Projecte, von denen das, wie man hört, von der Sanitätsbehörde befürwortete, den Friedhof möglichst weit von der Stadt auf das sogenannte Galgenfeld nördlich außerhalb des Demelschlössls zu verlegen, in sanitärer Richtung wie auch in Rücksicht auf die künftige Entwicklung der Stadt im Vordergründe steht. Ein anderes Projekt setzt den Friedhof viel näher der Stadt in die sogenannte Ochsengasse. Beide Projecte e aber auf heftigen Widerstand seitens der kerung, welche den Gottesacker aus Rücksichten der Pietät möglichst nahe der Stadt haben möchte. Jnsbesonders wird aber darauf hingewiesen, dass die Passage für Leichenzüge durch die Milserstraße absolut untauglich sei, weil dieselbe die von Fuhrwerken aus Volders und Mils am meisten frequentierte Straße und zur Winterszeit dem rauhen Ostwinde am meisten ausgesetzt ist. Es wird aber leider schwer ein anderer Platz zu finden sein als an der Nordostseite der Stadt. Es ließe sich indes vielleicht diesbezüglich ein Ausweg finden, wodurch auch den berechtigten Ansprüche! des Clerus wie der die Gräber besuchenden Bevölkerung Rechnung getragen würde, wenn nämlich der Friedhof an das gegen Norden gelegene letzte Ende der Jrrenhausmauer an der Ostseite derselben gesetzt würde, wodurch der Zugang zum Friedhof nicht durch die Milserstraße, sondern durch die Thurnfelderstraße am Jrrenhause vorbei bewerkstelligt würde, ein Zugang der eher kürzer, vollkommen windgeschützt und von Fuhrwerken nicht belästigt wäre. Der Gottesacker könnte, wenn dieser Zugang gewählt ist, auch an der Ostseite der Mauer
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 10. Jänner 1894, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5754-beschlussfassung-ueber-den-standort-des-neuen-friedhofes-in-hall-1894).

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