Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
FALSCHMÜNZE OHNE GLANZ

Schwurgerichtsverhandlung wegen Münzverfälschung in Innsbruck

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 17. September 1894 · Seite 5 · #Geldfälschung
Innsbruck, 15. Sept. Als letzter Fall der gegenwärtigen Schwurgerichtsperiode wurde heute Vormittag eine Verhandlung wegen Münzverfälschung durchgeführt. Den Vorsitz hatte der k. k. Landesgerichtsrath Dr. v. Riccabona inne, die Anklage vertrat der k. k. Staatsanwaltssubstitut Prati. In die Vertheidigung theilten sich die Herren Dr. Kogler, Dr. Haßlwanter und Dr. Mayr. Als der Münzverfälschung angeklagt erscheinen Johann Schranz, 21 Jahre alt, ledig, Maurer aus Jerzens im Pitzthal, letzthin ohne Beschäftigung, 7mal abgestraft; Johann Dyral, 32 I. alt, ledig, Taglöhner, geboren in Innsbruck, zuständig nach Weyrikam in Böhmen, 5mal abgestraft; Valentin Gaßmann, 36 Jahre alt, ledig, Fassbinder aus Montan, 6mat abgestraft, und Alois Schöpf, 36 Jahre alt, ledig, Taglöhner aus Silz, 3mal abgestrast. I. Neuner, 58 Jahre alt, ledig, Taglöhner aus Karrösten, 4mal abgestraft, und Alois Thummer, 36 I. alt, ledig, aus Brandenberg, Schuhmacher hier, 9mal abgestraft, sind angeklagt, die von den vier Obgenannten gemachten Falsifikate ausgegeben zu haben, obwohl sie deren Herstellung kannten. Die Anklage stützt sich auf nachfolgende Momente: Am 28. Juli 1894 machte die Kellnerin Josefa Ruf beim „ goldenen Stern " hier dem Führer der Sicherheitsbehörde, Jakob Prior, die Anzeige, dass am Abende zuvor gegen 7 Uhr eine unbekannte Frauensperson beim Gassenschanke einen halben Liter Branntwein faufteg und mit einem falschen Silbergulden zahlen wollte. Um dieselbe Zeit machte auch die Restaurateurin Maria Wild in der Kapuzinergasse hier bei der Polizei die Anzeige, dass am 27. Juli eine Frauensperson zwei Cigaretten mit einem falschen Silbergulden bezahlen wollte, den sie ihr mit dem Bemerken abnahm, dass sie denselben der Polizei übergeben werde. Die eingeleiteten Erhebungen ergaben, dass die genannte Frauensperson die Witwe Crescenz Zuciselli war, welche den falschen Silbergulden von ihrem Geliebten Johann Riedl erhalten hatte und dieser hatte das Geldstück von Josef Neuner bekommen. Durch die weiteren Erhebungen wurde festgestellt, dass Neuner den erwähnten falschen Silbergulden vom Maurer Joh. Schranz erhalten habe und damit war die Fälscherbande entdeckt. Johann Schranz gestand nämlich bald, dass er im Verein mit Dryal, Gaßmann und Schöpf aus geringfügigem Metalle — wie aus dem Gutachten des Hauptmünzamtes in Wien hervorgeht, aus einer Legierung von Blei, Zinn und Zink — falsche Silbergulden hergestellt habe. Im Juni d.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 17. September 1894, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5812-schwurgerichtsverhandlung-wegen-muenzverfaelschung-in-innsbruck-1894).

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