Redner bespricht hierauf die Duellsrage und speciell die Angelegenheit des Militärcuraten Skacel. Redner sagt, das Duell sei der Ausfluss eines Systems, welches in der Armee leider noch in Hebung ist. Es stehe fest, dass jeder Officier, der ein Duell verweigert, seiner Stelle für verlustig erklärt wird. Gegen den planmäßigen Duellzwang müsse energisch protestirt werden. Recht und Unrecht habe mit dem Duell nichts zu thun; es müsse verurtheilt werden vom Standpunkte des göttlichen und staatlichen Rechtes; es sei ein Verstoß gegen die ganze Staatsorduung und gegen das positive Gesetz; es sei ein Widerspruch in sich selbst. Die katholische Kirche verwirft das Duell, Duellanten werden excommuniciert, sie drückt ihren Abscheu aus, indem sie die kirchliche Einsegnung der im Duell gefallenen Personen verbietet. Jeder Katholik, der von seiner Religion mehr als bloß den Namen hat, hält das Duell für eine unmenschliche Grausamkeit. Und eine solche nennt man eine ritterliche Satisfaction? Das Militär thut nicht gut. wenn es Elemente von sich stößt, die es mit der Religion ernst nehmen und ihrem Gott treu bleiben. Es ist ein Attentat auf die Menschenwürde, wenn man die Menschen zwingt, unvernünftig zu handeln, wenn man katholisch denkende Osficiere zum Duell nöthigt. Darin müsse Wandel geschaffen werden. Redner citiert folgende Aeußerung des Erzherzogs Karl über das Duellwesen: „ Ich betrachte die Duelle als ein Ueberbleibsel jener Zeit, in der man es für erlaubt hielt, sich selbst mit Gewalt Recht zu schaffen. Sie stehen im Widerspruch mit jeder Ordnung und es ist daher Pflicht der Staatsverwaltung sie zu verhindern. Ueber die Streitigkeiten soll ein Ehrengericht entscheiden, dem Beleidigten Genugthuung verschaffen und dem Schuldigen die Strafe bestimmen. Der Wahrspruch wäre inappellabel. " Redner schließt, indem er sagt: Ich fordere den Minister auf, alles aufzubieten, damit der Oesterreich unwürdige Zustand ein Ende nehme, der Zustand, dass ein Officier aus der Armee ausgeschlossen wird, aus keinem andern Grund, als weil ihm Gott höher steht, denn ein unvernünftiges Vorurtheil.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 6. Oktober 1894, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5820-kritik-am-duellzwang-im-militaer-und-zitat-erzherzog-karls-gegen-1894).
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