Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KEIN HALT MEHR IM KRIEGSGLAUBE

Tod des Erzherzogs Albrecht in Arco nach schwerer Krankheit

Erzherzog Albrecht f. Der Tod hat abermals im Allerhöchsten Kaiserhaus seinen düstern Einzug gehalten. Bor ungefähr einem halben Jahre wurde der Bruder des Erzherzogs Albrecht, Erzherzog Wilhelm, der Großmeister des deutschen Ritterordens, in Wien zur ewigen Ruhe bestattet, vor 6 Wochen wurde in Arco der König von Neapel beigesetzt, und nun ist Erzherzog Albrecht nach einer schweren Erkrankung. deren Keim er sich bei der Ueberführung der Leiche des Königs Franz geholt, ihnen im Tode gefolgt. Erzherzog Albrecht ist, wie wir bereits gestern in einer nach dein Einlangen des betreffenden Telegramms aus Areo veranstalteten Extrabeilage meldeten, gestern Mittag um 1 Uhr in seiner Billa in Arco verschieden. Mit dem Allerhöchsten Kaiserdause trauern die Völker des weiten Reiches an der Bahre des theueren, unvergesslichen Tobten, und auch weit über die Grenzen der Monarchie hinaus wird der schwere Verlust, der Oesterre ch betroffen, innige Theilnahme erwecken. Erzherzog Albrecht. der selbst mit unvergäng lichem Ruhm bedeckte Sohn des Sägers von Aspern, war einer der populärsten Prinzen unseres Kaiserhaujes. In ihm, dem Helden von Mortara und Novara, dem Sieger von Custozza, erblickte Volk und Armee die lebendige Verkörperung unseres Waffenruhmes, den Bannerträger unserer Ehre. Von einer hohen Auffassung seines Berufes und Gewissenhaftigkeit beseelt, tapfer vor dem Feinde, kühn und schnell entschlossen, wo es rasches Handeln galt, ohne Furcht und Zagen, von emer stahlfesten Körperbeschaffenheit, mit eisernem Willen und größter Ausdauer begabt, theilnahmsvoll für das Wohl des Ganzen wie j des einzelnen besorgt, war er das leuchtende Vorbild aller militärischen Tugenden, und soweit Oesterreichs Fahnen flattern, sah man nicht nur mit Bewunderung zu ihm auf, sondern er war auch überall Gegenstand der Liebe und Verehrung. Als Generalinspecror des Heeres, welch höchsten Posten in der gesammten Wehrmacht der Erzherzog seit der Begründung desselben bekleidete, war er zugleich der präsumtive Armee - Obercomniandaut im Falle einer allgemeinen Mobilmachung und auch in der öffentlichen Meinung galt es als selbstverständlich, dass niemand anderer als er zum Führer berufen werden könne. Neben den militärischen Tugenden zierten die schönsten Gaben des Geistes unv die edelsten Eigenschaften des Herzens den hochgesinnten und liebenswürdigen kaiserlichen Prinzen. Kunst und Wifsenschasl fanden in ihm einen mächtigen Förderer. Erzherzog Albrecht hatte ein staunenswertes Gedächtnis und eine besondere Naturanlage zum Erlernen fremder
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 19. Februar 1895, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5874-tod-des-erzherzogs-albrecht-in-arco-nach-schwerer-krankheit-1895).

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