Wiederkehr des Tages, an welchem vor einem halben Jahrtausend Giltenberg geboren, rückt heran und in Deutschland rüstet man bereits zur würdigen Begehung dieses Festes. Die Fxi ruug dieses Tages ist uns frciiich nicht mehr mögiH; ebenso unbestimmt, wie das Todesjahr ist auch das Geburtsjahr des Erfinders der Buch druckerkunst Man weiß nur, dass es ein - ' s der letzten drei des 14. Jahrhunderts ist. Doch nicht bloß Geburt und Tod, auch der Lebensgang dieses großen Wohlthäters der Menschheit ist vielfach in Dunk l gehüllt. Der Göttinger Oberbibliothekar Prof. Dziatzko hat jüngst in den „ Beiträgen zur Theorie und Praxis des Buch und Bibliotheks Wesens, Hist 2, Leipzig 1 - - 95 ", die für die CuUurwelt interessante Frage, was wir überhaupt von Gupnbergs Leben und Person wissen, auf Grund der neuesten Forschungen beantwortet, Auf dieser Grundlage hat er Mainzer Bibliothekar Alfred Börckel vor kurzem in der „ Frankfurter Ztg " einen Artikel über Gutenbe » g veröffentlicht, den wir im folgenden mit einigen Kürzungen wiedergeben. Auch nach Dziatzko war Johann Gutenberg von Geburt zweifellos ein Mainzer. Er entstammte dem Patricia g schlechte der Gevsfleisch. einer der angesehensten rm geistlichen Kurstaate Mainz, das seinen Namen von einem im Familienbrsitz befindlichen Hofe in der Stadt führte. Dieses Geschlecht der Gensfleisch, welches bis mindestens zumJahie 1294 sich zurückoerfolgcn lässt, stand während der fast en » losen Streitigkeiten zwischen den Patriciern und Zünften, wie zwischen dem Erzbischof und der Stadt, wiederholt an der Spitze des Adels. So wurde bereits anfangs 1332 ein Ritter Friele zu dem Genstfleisch zugleich mit vielen Genossen vom Kaiser Ludwig mit dem Bann und hoher Geldstrafe belegt, weil er an der Zerstörung kirchlicher Gebäude betheiligt war. Trotzdem erscheint er noch vor Ende desselben Jahres mit seinen - Löhnen wieder als Haupt des Adels in einem Streite mit der Bürgerschaft. Sein Sohn Henne ( — Johann) war der Großvater des Frielo oder Friele, des VaterS von Gutenberg, und dessen Frau Else, die Letzte des Patriciergeschlechtes derer zum Gutenberg, welcher Name, zuerst als Beiname, dann aber als Hauptname, auf Johann überging. Johannes Taufname lautet in damaligen Urkunden nach seiner der üblichen Koseformen entweder Henne, Hennle oder Henchin. Wie schon bemerkt, war das Geburtsjahr GutenbergS bis jetzt nicht zu ermitteln, doch auS den sonst bekannten Thatsachen lässt sich als ziemlich sicher annehmen, dass es in eines der drei letzten - Jahre um die Wende des 14. und 15. Jahrs hu derts fällt. N b n Gutenberg ist nur noch ein j älterer Bruder desselben, der gleich dem Vater s Friele hieß und 1434 jedenfalls in Eltville bei: Mainz sich aushielt, nachweisbar. Der Vater j Gutenkergs, welcher 1430 bestimmt schon gestor- ' ben war. wird sei * 1414 in Mainz urkundlich j nicht mehr genannt, wodurch die Vcrmu hung bez rech igt ist, dass er, als Opfer der Bürgerfehde j von 1420, mit andern Patricierfamilien zur Aus-! Wanderung gezwungen war und dabei den jünge-! reu Sohn Johann mit in die Fremde nahm, während er den älteren, Friele, ertweder bei der Mutter in Mainz oder bei Verwandten in Eltville zurückließ. Denn 1425 verkaufte die Mutter ein Haus und einen Garten in Mainz, ohne dass sie als Witwe bezeichnet, oder dass ihres Mannes erwähnt wurde, der also damals wohl noch in der Verbannung lebe. Durch den Vertrag, welchen Erzbischof Konradlll. von Mainz 1480 zwischen Adel und Gemeinen zustande brachte, erhielten auch mehrere vertriebene Patricier die Erlaubnis zur Rückkehr in ihre Vaterstadt. Ausdrücklich davon ausgenommen ist ein Georg Gensfleisch, dagegen ist unter den Zurückgerufenen „ Henchin zu Eubenberg ", also der Erfinder, genannt. Da hier der Name s ines Vaters fehlt und auch zuletzt 1429 in einer Straßburger Urkunde ein Friele Gensfleisch von Mainz vorkommt, scheint derselbe End. - 1429 oder anfangs 14. 0 gestorben. Vor dieser Zeit, die Gutenberg größtentheils außerhalb Mainz verlebt haben muss, fehlt jede Nachricht von ihm; weder von seiner Kindheit und Jugend, noch von seinem Bildungsgang und seinen Zukunftsplänen findet sich irgend eine Spur. Und doch, wie wünsche - Sw rt wäre gerade hier ein
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. November 1895, S. 17, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5982-zum-andenken-an-gutenberg-anlaesslich-seines-geburtstags-und-der-1895).
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