Hl. Pfingstsonntag. Erzherzog Karl Ludwig f> Eine tiefschmerzliche Trauerbotschaft ist in den Morgenstunden aus der Metropole des Reiches in die Provinzen hinausgedrungen, die um so erschütternder wirkte, als sie ganz unerwartet kam. Heute um 6 Uhr 4 > Minuten früh hat einer der populärsten Prinzen des Hauses Habsburg, Se. kais. und königl. Hoheit der Herr Erzherzog Karl Ludwig seine edle Seele ausgehaucht Allerdings wusste man, dass der Erzherzog nach seiner Rückkehr aus dem heiligen Lande Ende April von einem Unwohlsein befallen wurde; aber man maß dem ursprünglich nicht große Bedeutung zu. Allmählig scheint sich jedoch sein Befinden verschlimmert zu haben, doch glaubte niemand, dass die Katastrophe so nahe bevorstehe, ja dass überhaupt eine ernstere Gefahr vorhanden sei. Auf einmal kamen gestern beängstigende Nachrichtenu. ihnen folgte heute plötzlich die erschütternde Kunde von dem Tode des kaiserl. Prinzen. Die tiefe Trauer, in welche unser Kaiserhaus durch das Hinscheiden des Bruders unseres Kaisers versetzt worden ist, bewegt mächtig die Völker der ganzen Monarchie, die in innigster Theilnahme mittrauern an der Bahre des allgeliebten Todten. Insbesondere die Bewohner unseres Landes werden mit tiefschmerzlichem Weh ihre Blicke nach der Trauerstätte richten, dankbar gedenkend des vielen Guten, das der allgeliebte habsburgische Prinz ihnen erwiesen hat, der selbst hier so segensreich gewaltet hat und dessen Sohn Ferdinand Karl auch sich während seines Aufenthaltes in Innsbruck durch seine Leutseligkeit die Herzen aller im Sturm erobert hat. Ueber die letzten Stunden des Verstorbenen und sein Hinscheiden sind uns heute folgende Drahtnachrichten zugekommen.: (Irahmachrichie « des Ksrr. - Rrrrea «. Wien, 18. Mai. Für den Erzherzog Karl Ludwig gibt sich in allen Schichten der Bevölkerung lebhafte Theilnahme kund. Die Ankunft des Erzherzogs Franz Ferdinand d ' Este wird noch heute bestimmt erwartet. Seitens der Familie des Erzherzogs Karl Ludwig wurde telegraphisch in Rom um den Segen des Papstes angesucht. Das heute ausgegebene Bulletin konstatiert, Erzherzog Karl Ludwig erkrankte an ruhrartigem Darmkatarrh mit Fieber. Die Kräfte nehmen ab, die Herzschwäche nimmt zu, bis 4 Uhr nachmittags war der bedenkliche Zustand Karl Ludwigs unverändert. Die Erzherzoge und Erzherzoginnen sowie zahlreiche Mitglieder der Aristokratie fragten im Palais über das Befinden an. Die Tochter Margaretha Sophia trifft abends aus Stuttgart hier ein. Eine große Menschenmenge ist um das Palais versammelt, welche teilnehmend Nachrichten erwartet. Wie die „ Wiener Abendpost " vernimmt, ist infolge der andauernd ernsten Erkrankung des Erzherzogs Karl Ludwig, welche es dessen Bruder, dem Erzherzog Ludwig Victor, schwer gemacht hätte, Wien zu verlassen, dem Erzherzog Eugen die Mission übertragen worden, unseren Kaiser bei dem Krönungsacte in Bioskau zu vertreten. Wien, 18. Mai. Erzherzogin Margaretha Sophia ist abends hier eingetroffen und begab sich sofort in das Palais des erkrankten Vaters, der bei vollem Bewusstsein in wenigen Worten die Freude darüber äußerte, seine Tochter wieder zu sehen. Um 9 Uhr abends war der Schwächezustand etwas geringer, das Befinden jedoch äußerst besorgniserregend. Unausgesetzt treffen Mitglieder des Kaiserhauses im Palais ein, um sich um das Befinden des Kranken zu erkundigen. Der Kaiser, welcher in kurzen Zwischenräumen über das jeweilige Befinden Karl Ludwigs Bericht erhält, wird zwischen 10 und 11 Uhr nachts nochmals persönlich im Palais erwartet. Erzherzog Franz Ferdinand trifft erst morgen vormittags hier ein. Abends 9 Uhr traf im Palais Karl Ludwigs der päpstliche Segen ein.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 19. Mai 1896, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6039-todesnachricht-des-allgeliebten-erzherzogs-karl-ludwig-1896).
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