Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
PROVOZIERTE PROVOKATION IM BLUTIGEN ERGEBNIS

Tödtlicher Überfall auf einen Spänglergehilfen in der Museumstraße durch italienische Arbeiter

Juni um 10 Uhr vormittags eröffnet. (Todt sch lag.) Am Samstag abends wurte in einer der belebtesten Straßen unserer Stadt, zu verhältnismäßig früher Stunde der Nacht ein Verbrechen begangen, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Der Spänglergehilfe Franz Stech, 48 Jahre alt, aus Raby in Böhmen, wurde am Samstag gegen 10 V 2 Uhr nachts beim Scheuchenstuel ' schen Mädchen - Waisenhause in der Museumstraße als Leiche aufgefunden. Franz Stech hatte das Summerer ' sche Gasthaus, wie es heißt, in etwas angeheitertem Zustande verlassen. Vier italienische Arbeiter waren in der Restauration Wild in der Kapuzinergasse gewesen. Auf dem Heimwege trafen sie auf Stech, der sie provociert haben soll, worauf es zur unglücklichen That in der Museumstraße kam. Der Cassier des hiesigen Gaswerkes, Ferdinand Kappel, und der Kellner Eduard Kanitscheider hatten dem Vorgänge von einiger Entfernung zugesehen. Ersterer lief schnell um Polizei und traf auch sofort einen Wachmann beim Hotel Kreid. Zwei der Italiener, der Handlanger Gaetano Segatta, 19 Jahre alt, aus Povo, Bezirk Trient, und der 18 Jahre alte Handlanger Giovanni Battista Dalpiaz aus Castelfondo, Bezirk Cles, wurden hierauf noch auf dem Wege verhaftet. Einer derselben wehrte sich heftig dagegen. Der dritte von den gewalthätigen Burschen, der 30 Jahre alte Handlanger Francesco DemcM aus Cognola, Bezirk Trient, wurde im Laufe der Nacht noch ausfindig gemacht und aus dem Bette geholt. Den vierten konnte man noch nicht erwischen, da dessen eingefangene Kameraden behaüpten, dass sie weder seinen Vor noch Zunamen wissen. Sie hätten ihn wohl früher irgend wo getroffen, hätten aber seinen Namen nicht behalten. Dieser Unbekannte soll erst am Samstag hier eingetroffen sein und die Absicht gehabt haben, hier Arbeit zu suchen. Inwieweit jeder einzelne der vier Italiener am Todtschlage Stechs beteiligt ist, ist noch nicht festgestellt, da z. B. Demat 6 eine active Betheiligung läugnet. Sicher scheint, dass die erstgenannten zwei Burschen sich an Stech verziffen. An der Unglücksstelle trafen sofort Leute zur Hilfeleistung ein, doch war eine solche vergebens, Franz Stech war schon todt. Eine Gerichtscommission, bestehend aus den Herren Staatsanwaltsubstituten Dr. Marian Hirn, Umv - Prof. Dr. Jpsen und Statthalterei - Concipisten Dr. Fritz Sander traf unverweilt am Platze ein und ordnete nach Aufnahme des Thatbestandes die Ueberführung der Leiche ins pathologische Institut an. Der Erschlagene war verheiratet, hatte jedoch keine Kinder. Von einem Herrn, der um die kritische Zeit die Unglücksstelle passierte, wird uns Nachstehendes erzählt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 15. Juni 1896, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6051-toedtlicher-ueberfall-auf-einen-spaenglergehilfen-in-der-1896).

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