Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TRAUMSCHLACHT UM DEN BERG JFEL

Lebhaftes Panorama der Schlacht am Berg Jfel im Jahre 1809 auf dem Ausstellungsplatze

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 2. Juli 1896 · Seite 4
Lire B. - N. 11985 58 - 75 9 - 51 ' /z 5 65 44 - 45 Aas Panorama der Werg Isel- Schkacht am AusstessungspkaHe. Es ist ein trüber, regnerischer Sonntagmorgen; ich will mir zum Zeitvertreib das Panorama auf dem Ausstellungsplatze ansehen, zahle mein Entröe, steige die wenigen Stufen der Doppeltreppe empor und komme auf eine ringsum freie Estrade. Mir ists, als sei ich in tiefen Schlaf versenkt und träume. Plötzlich ists Abend geworden, ich stehe am Berg Jfel in der Nähe des Buchhofes an einem jener schwülen, heißen Sommertage, an denen abends die Luft noch sehnsüchtig zittert und bebt unter den letzten heißen Sommerküssen. Da und dort hängen noch Glutfunken am Geschröf, während an andern Stellen das Felsgezack geisterbleich emporstarrt in den Abendhimmel oder die bläulichen, wallenden Dämmerungsschleier herniedersinken. Da drunten liegt das Kloster Wilten mit seinen weitläufigen Gebäuden, nicht weit davon entfernt die Pfarrkirche, dahinter Wilten selbst und die Stadt. Doch halt! Die Bauten am Berg Jfel, das Monument sind fort, drunten vor der Triumphpforte sehe ich nur wenige Häuser, dazwischen leere Felder, auch der Schienenweg fehlt, Büchsenhausen liegt einsam über der Stadt, alles so deutlich und klar und doch so seltsam verwandelt. Ich habe jenes Doppelgefühl, wobei die Empfindung der bewussten Traumillusion und Wirklichkeit sich mischen. Die Wiltener Felder sind niit Truppen bedeckt, geschichtliche Erinnerungen erwachen, das Zeitenrad dreht sich um einige Speichen rückwärts, ich fühle, was vorgeht, rings wüthet ein Kampf um Vaterland und Leben, ich bin beinahe um ein Jahrhundert zurückversetzt, blutroth, lorbeerumkränzt taucht es empor: 1809! Es ist der Abend des verhängnisvollen 13. Aug, den ganzen Tag schon hat der Kampf getobt, und noch immer strömen neue französisch baierische Truppen heran, die Räder der Kanonen graben tiefe Furchen in die Felder, über der Thalsohle liegt ein Nebel von Pulverdampf, die weißblauen Laierischen Soldaten stürmen in geschlossenen Massen am Fuße des Berg Jsels heran; da links f hat ein Trupp schon die Höhe erklommen, in fliegender Hast, in der wahnsinnigen Mordgier der Schlacht stürmen sie vor, von oben herab fliegen die Kugeln, die Todessense klirrt mit grellen Schall — es hat einem das Herz durchbohrt — man hört nicht auf den heißen Todesschrei, mit dumpfem Schlage füllt der Körper hin und die anderen stürmen über ihn hinweg
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. Juli 1896, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6053-lebhaftes-panorama-der-schlacht-am-berg-jfel-im-jahre-1809-auf-dem-1896).

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