Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
POLIZEI OHNE AUSREICHENDEN SCHUTZ

Einbruchversuch in der Museumstraße – Polizei wird zur Reform aufgefordert

s. (VerscheuchterEinbrecher) Wieder wurde ein Einbruchsdiebstahl versucht, diesmal aber zur Abwechslung nicht im Villenviertel, sondern in der Museumstraße. In der Nacht von Samstag auf Sonntag um halb 12 Uhr versuchte nämlich ein Dieb in die Wohnung eines Rittmeisters der Traindivision im Weyrerhaus Nr. 2!, ersten Stock einzubrechen. Auf die Hilferufe eines Mädchens nahm der Gauner Reißaus. (Polizeiwesen.) Die Unzulänglichkeit und Organisationsbedürftigkeit unserer städt. Polizei ist eine unabweisbare Thatsache. Die Ausdehnung der Stadt, der Zuzug fremder verdächtiger Elemente, der Mangel an Naturalverpflegsstationen, die Bevölkerungszunahme, die Einbürgerung der niedern Volksclassen in der Altstadt fordern energisch eine Aenderung der Polizeivorschriften und der diesbezüglichen Reglements. Die Polizeiwache in ihrer jetzigen Stärke von 30 Mann ist unzureichend, eine Expositur ( Jnnstraße) zu wenig. Die Wache muss unter einen Jnspector gestellt und mindestens um 4 Mann verstärkt werden. Soll eine Aenderung zum Bessern erfolgen, ist es nothwendig, dass eine heikle Auswahl bei Aufnahme der Mannschaft getroffen wird, dass sie unter eine Art militärischer Disciplin und L itung gestellt und zum Theil caserniert wird. Bei Nicht gef äh rdung der Autonomie wäre eine Staatspolizei die beste Einrichtung. Die Wachmänner sollen für ihre oft strenge Dienstleistung gut bezahlt werden, die Abzüge für den Pensionsfond rc. dürfen nicht zu groß sein. Der Dienstantritt darf ihnen durch finanzielle Leistungen nicht zu schwer gemacht werden. Sie müssen mit Lust und Liebe, Eifer zu ihrem Dienst erfüllt sein und den nöthigen Muth besitzen vorzugehen. Die Wachmänner sollen weiters genaue Kenntnis der localen und Verkehrsverhältniste haben und es ist der oftmalige Wechsel im Wachpersonale ein großer Fehler. Bei Neuorganisation der Wache ist ein Hauptgewicht aus die zu erhoffende Ständigkeit der Wache zu legen Es ist bei dem häufigen Wechsel der Leute nicht möglich, dass sie über alle Vorschriften und Beschlüsse des Gemeinderathes und Magistrates unterrichtet sind und man stößt oft aus Falle, die beweisen, dass sie eben nicht genügend instruiert sind. Die Instruction hat militärisch zu erfolgen, ebenso die Meldungen. Die Casernierung der ledigen Wachmannschaft ( es empfiehlt sich circa die Hälfte der gesammten Wache ledig zu erhalten) müsste in einem städtischen Gebäude erfolgen, auch bei. den Zweigwachen ( Expositur), wäre ein Schlafraum außer dem Wachzimmer zu schaffen. Auch die Anstellung, resp. Ausbildung von Detectivs ist eine Nothwendigkeit. Die heutige Zeit erfordert leider derartige Aenderungen und Neuerungen, der alte Schimmel muss fallen. Die eingangs erwähnte Zweigwache sollte im Stadtsaggen erstehen, dieser Bezirk fft zur Wachverständigung zu weit entfernt. Sehr wünschenswert wäre auch die Benützung des Staats - Telephons bei Nacht, Telephon und Polizei sind oft sehr verbunden. Zum Wohle und zur Sicherheit des Publicums sollten vorstehende Wünsche bald erfüllt werden.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 10. November 1896, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6098-einbruchversuch-in-der-museumstrasse-polizei-wird-zur-reform-1896).

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