Die VII. internationale Kunstausstellung in München. (Original - Bericht) III. Deutschland. Durch einige prachtvoll ausgestattete, moderne Musterzimmer im secessionellen Style gelangt man in die Gruppe „ Deutschland. " Dieselbe umfasst die Künstlerschaft des gesammten Reiches, einschließlich jener Münchner Maler, die weder zur Luitpoldgruppe noch zur Secession gehören. Leider ist Dresden Heuer in dieser Gruppe kaum vertreten, denn da ist selbst, wie in Berlin, dieses Jahr eine Kunstausstellung, welche die bedeutenderen Werke dieser Städte absorbieren. Immerhin aber ist auch in München eine reiche Anzahl von Gemälden und mancher alte Bekannte findet sich in diesen Sälen. Mathias Schmid ist da mit seinem „ Musikalischen Pater. " In altbekannter Meisterschaft entwirft er ein neues köstliches Genrebild Ein Pater spielt Guitarre und ein Diandl ist bei der Zither thätig, während ein junger Bauernbursch vom Ofen herab diesem Duette lauscht. Die Jnterieurstimmung ist aufs prächtigste getroffen, das ganze vollendet, ein reizendes Stücklein. Eine hübsche Genrescene dieser Art hat auch Emil Rau mit seinem „ Ländler " ausgestellt. Junge Burschen sitzen beim Weine in der Dorfschenke und rauchen ihre Pfeifen, einer spielt Zither, während ein Paar dazu tanzt; froher Muth ist über das ganze gebreitet, hohe Berge sieht man vom Fenster aus, als alpinen Hintergrund. Victor Schivert sucht seine Stoffe in der unruhigen Zeit des 30jährigen Krieges, „ Stürmische Werber ", „ Das verrathene Geheimnis " bringen Scenen aus dem kecken Soldatenleben jener Epoche; das einemal eine Zigeunerin wahrsagend zwischen Kriegsleuten und das anderemal wieder Soldaten vor einem Weinfasse trinkend und einem Mädel den Hof machend, beides hübsche Bilder, ansprechend in Farbe und Composition. Anton Kozakiewitz erfreut uns mit einem netten Bilde: „ Die erste Hängematte auf dem Lande. " Sommerfrischler haben sie gebracht, staunend steht die Dorfjugend dabei, ein Stück in schönstem ^ Freilicht mit bester Charakteristik, fein und treffend in Farbenstimmung. Paul Meyerheim bringt heuer zwei prächtige Werke, im „ Geflügelhof " und ein „ Stilleben ", ebenso Eckhardt und Gebler mit seinem „ Besuche im Stalle. " An Schwinds Märchendichtung erinnert Schultheis „Rübezahl ", eine Schilderung voll Naivität, wie Rübezahl Kinder und Weiber im Walde erschreckt- Eine Klosteridylle voll stiller Schönheit ist Hutschenreiters „ Der Freiheit entsagt ".
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 19. Juli 1897, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6189-bericht-ueber-die-vii-internationale-kunstausstellung-in-muenchen-1897).
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