Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
PATER MIT SPASS UND SCHUTZ

Gedenkstein an Gefecht des Schwazer Landsturmes im Jahre 1797 unter Feldpater Pater Simeon Pult

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 21. Juli 1897 · Seite 3 · #Spinges 1797
(Aus der Tiroler Heldenzeit.) Ein Gedenkstein in einer halbverfallenen Mauer bei der Kirche zu St. Martin bei Schwaz erinnert an ein Gefecht des Schwazer Landsturmes am 2. April 1797 mit bayrischen Truppen. Hauptmann der Landstürmer war ein Franciscaner- Pater namens Simeon Pult, dessen Name die Inschrift der Gedenktafel auch erwähnt. Ueber die Person dieses Helden wird dem „ Bote " Folgendes mitgetheilt: P. Simeon ( nicht Simon, wie es fälschlich auf der Gedenktafel in St. Martin bei Schwaz heißt) Pult, wurde zu Fendels im Oberinnthale im Jahre 1740 geboren und war, wie das Todtenbuch der nordtirolischen Franciscaner Provinz erzählt, von Jugend an ein überaus jovialer, liebenswürdiger Mann. Er studierte das Gymnasium, wurde aber seiner oft gut gemeinten Scherze und Spässe wegen aus demselben entlassen. Nun wählte er die militärische Laufbahn und erwarb sich im siebenjährigen Erbfolgekriege große Verdienste. Endlich im Jahre 1767 trat er in den Orden des hl. Franciscus und wurde zu Jnnichen im Pusterthale eingekleidet. Im darauffolgenden Jahre 1768 legte er die feierliche Profess ab, wurde ' ,770 zum Priester geweiht und erhielt nach Vollendung seiner Studien, im Jahre 1772, die Cura. Darauf war Pult in verschiedenen Klöstern des damaligen Vorderösterreich und in Württemberg in der Seelsorge thätig und wurde nach Aufhebung und Lostrennung jener Klöster von der Provinz nach Tirol versetzt. Unter Kaiser Josef II. wurde Pult Cooperator in St. Martin bei Schwaz, und nun begann seine Heldenzeit. In den Kriegsjahren 1796, 1799 und 1805 war er Feldpater bei den Tiroler Soldaten und überall dabei, wo es galt, mit todesmuthigem Beispiele voranzugehen. Am 2 - April 1797 schlug er als Hauptmann und Feldpater der Landstürmer bei St. Martin die bayerischen Truppen, wonach der Landsturm infolge gegenseitigen Uebereinkommens aufgelöst wurde? Als Feldpater kam er mit den Tiroler Truppen nach Venedig, ja bis in die Lombardei und nach Wien, wo er aber nirgends bleibenden Aufenthalt nahm. Als gegen Ende des Jahres 1809 Tirol an Bayern fiel, verließ auch er aus Schmerz darüber mit vielen anderen Patrioten Tirol und zog nach Wien. Nach Wiedervereinigung Tirols mit Oesterreich kehrte er wieder in sein Heimatsland zurück und wirkte in Hall bis zum Jahre 1823, wo er nach schwerer Krankheit am 1. Mai 1823 im 83. Lebensjahre als Jubelpriester und Ordensjubiläus selig im Herrn verschied.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 21. Juli 1897, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6192-gedenkstein-an-gefecht-des-schwazer-landsturmes-im-jahre-1797-unter-1897).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Andreas Hofer & Gedenkjahr 1809“

HOFER-GEFÄHRTE MIT EHRNEN SYMBOLEN

Bucher-Feier in Axams mit Errichtung eines Grabdenkmals für Georg Bücher

Innsbrucker Nachrichten · 5. Mai 1897 · S. 4 · Andreas Hofer & Gedenkjahr 1809

(Bucher - Feier in Axams.) Am Sonntag Nachmittag fand in Axams die bereits angekündigte Bucher - Feier statt und zwar in ganz prunkloser Weise, entsprechend dem bescheidenen Charakter des Mannes, welchem sie gegolten hat …

PRIESTER STATT PISTOLEN

Mittelsperson Pater Joseph Schweiggl beruhigt Stimmung in Säben durch Vermittlung

Innsbrucker Nachrichten · 26. Mai 1897 · S. 3 · Andreas Hofer & Gedenkjahr 1809

Georgenberg zu Fiecht bei Schwan P. Josef Schweiggl. Seit dem Jahre 1792 wirkte er als Caplan und Administrator im Kloster der ehrwürdigen Benedictinerinnen zu Säben. Damals ein junger, thalkräftiger Mann, beim Volke äuß …

RUHMVOLLER TOD MIT SENSE UND KEULE

Gedenkfeier zum hundertjährigen Tode des „Senseler“ Anton Reinisch mit hohem Protektor

Innsbrucker Nachrichten · 31. Mai 1897 · S. 2 · Andreas Hofer & Gedenkjahr 1809

(S e n s e l e r - F e i e r.) Hundert Jahre sind verflossen, seit der „ Senseler " Anton Reinisch aus Volders als Sturmhauptmann des Gerichtes Rettenberg in der Schlacht bei Spinges am 2. April 1797, nachdem er mit der …

BETEN UND BERGSTEIGEN MIT HOFER

Zwei Reliquien Andreas Hofers in Verwahrung gegeben

Innsbrucker Nachrichten · 10. Juni 1897 · S. 3 · Andreas Hofer & Gedenkjahr 1809

(Hofers Rosenkranz und Reisehandbuch.) Zwei sehr wertvolle Reliquien Andreas Hofers wurden dem Herrn Bezirksrich er Dr. Wöll von Paffeyer zur seinerzeitigen Abgabe an den rechtmäßigen Eigenthümer in Verwahrung gegeben. E …

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |