W. Hemeinderaths - Sitzung. Nach einer siebenwöchentlichen Sommerruhepause trat gestern der Gemeinderath unter dem Vorsitze des Herrn Bürgermeisters Greil wieder zu einer Sitzung zusammen. Am Beginn derselben ergriff GR. Thurner das Wort, um hinweisend auf die Vergewaltigung der deutschen Stammesgenossen in Eger, worüber bereits 130 Städte, darunter die Schwesterstädte Klagenfurt, Graz re. ihre Entrüstung kundgegeben haben, folgenden Dringlichkeitsantrag zu stellen: Der Gemeinderath der Landeshauptstadt Innsbruck spricht die tiefste Entrüstung über die am 11. Juli ds. I. in Eger durch polizeiliche Uebergriffe veranlassten blutigen Vorfälle aus und anerkennt die würdige Haltung der Volksvertreter, der Stadtvertretung und der Bürgerschaft der ehemaligen freien deutschen Reichsstadt Eger an diesem für die Stadt denkwürdigen Tage. Der Bürgermeister wird ersucht dies der Stadtvertretung Eger bekannt zu geben. Der Antrag gegen den sich nur GR. Dr. Wackernell wendete, da er kein Freund davon sei, dass im Gemeinderath politische Dinge besprochen werden, und weil der Gemeinderath sich zum Richter über Dinge aufwerfen würde, die er gar nicht kenne, worauf GR. Thurner erwiderte, wurde angenommen. GR. Thurner richtete dann an den Bürgermeister Anfragen über den Stand der Beamten- Gehalts - Regulierung und der Unfallversicherung der Polizei und führte Beschwerde über einzelne missliche Zustände im alten Spitalhaus und über die Abhilfe erheischenden Abortverhältnisse ( Mangel eines abgesondert zugänglichen Frauenaborts) in den Stadlsälen. Der Vorsitzende erwiderte, dass bezüglich der ersten zwei Punkte in der nächsten Zeit Beschluss gefasst werden wird, bezüglich des dritten, dass er sich erkundigen und das Nöthige veranlassen werde, und bezüglich des letzten Punktes, dass er bereits dem Bauawt einen entsprechenden Auftrag ertheilt habe. An mehrere Gemeinderäthe sind anonyme Schreiben gekommen, worin dieselben ersucht werden wegen der mangelhaften Ueberwachung des Vorverkaufs auf dem hiesigen Martkplatze zu interpellieren; nach der bestehenden Verordnung ist der Vorverkauf vor 10 Uhr Vormittag verboten, aber schon in den frühesten Morgenstunden werde da geschachert. Den Bürgern und Beamten bleibe nur die ausgesuchte mindere Ware und theuer. Wohl durch ein solches Schreiben veranlasst brachte GR.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. September 1897, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6216-wiedereroeffnung-der-gemeinderatssitzung-und-besprechung-der-1897).
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