Durch die vereinten Bemühungen der Gemeinde Ambras, in deren Verwaltungsgebiet der Tummelplatz liegt, und des Kronprinz Rudolf Beteranen- Vereines in Innsbruck war im Verlaufe des Sommers durch den Baumeister Joses Spörr aus Innsbruck in der Mitte der südlichen Längssüte des Tummelplatzes eine hübsche gothische Kapelle erbaut worden, die gestern um r0 Uhr vormittags durch den hochwürdigsten Prälaten des Piämonftratenserstistes Willen, Lorenz M ü l l e r, unter zahlreicher Assistenz der Seelsorger aus den Nächstliegenden Pfarreien eingeweiht wurde Die Kapelle steht am obern Wege und ragt mit ihrem ganzen Vordertheile in den ansteigenden Wald hinein, dessen Stamme dort cmsge hauen und dessen Grund mehrere Meter hoch auSgehoben weiden musste. So wurde der nöthige Raum für die zierliche Kapelle gewonnen. Ans i der dem Tummelplätze zugekehrten S irnseite ist \ der Eingang der Kapelle in gothischem Spitzbogen. j Eine über dem Portale angebrachte Marmortafel kündet die W dmung der Kapelle zur frommen Erinnerung an die in den Freiheitskämpsen von 1797 bis 1809 gefallenen und hier begrabenen 8 00 Krieger. Dm oberen Theil des Giebels schmückt ein Rundfenster in der Form eines Drüpasses. durch den das Licht in den Dachraum eindringt. Ueberkrönt ist die ganze Stirnseite von einem als Thürmchen für 2 hellklingende Glöcklern verwendeten sogenannten Dachreiter, der einen stilrechten Abschluss bildet. Der Innen raum mit gothischer Kreuzwölöung zerfällt in 2 Theile: ein quadratförmiges Schiff, das von je einem gothischen Doppelfenster an ^ jeder Seite erleuchtet wird, und das durch einen spitzen Chorbogen getrennte Presbyterium, welches durch je ein einfaches Fenster auf jeder Seite erhellt wird. In diesem steht ein älteres gothisches Märchen, das die E bauer als Geschenk erhielten. Im Schiffe der Kapelle ist an der Wand der: Westseite neben dem Fenster eine Votückafel aus Marmor in die Mauer eingelassen, deren In schüft an das furchtbare Schicksal erinnert, welches bei dem Brande eines Wohlthätigkeitsbazars in Paris am 4. Mai 1 897 die Herzogin Sophie Charlotte Aug sta von Alenyon, ged. Herzogin von Bayern, ereilte. Außer einer gotüschen Hängelampe im Presbyterium entbehrt die Kapelle i sonst noch jeder Ausschmückung. Am Festtage der Einweihung prangte nun die Kapelle und der ganze sie umgehende Krieger- Friedhof in reichem Blumen -, Fahnen und Flaggenschmuck An der Abzweigung des Weges zum Tummelplätze von der Straße zum Schloss Amcas erhob sich ein Triumphbogen aus Taxengewmde, dessen Stirnseite die Inschrift zeigte: „Im freien Waldesreich Da liegen sie in Ruh ', Die Feinde und den Freund Deckt eine Scholle zu! " In reicher Draperie von wechselnd schwarzgelben, weißblauen, weißrothen und weißgrünen Fähnchen sind unter der Inschrift drei Wappenschilder angebracht und zwar in der Mitte Oesterreich und links und rechts zur Seite Tirol und Baiern. Die Rückseite der Inschrift ist mit einer weißgrünen Draperie bekleidet. Bor dem Triumphe bogen zu beiden Seiten wehten auf hohen Stangen die mächtigen Flaggen in österreichischer und baiecischer Farbe. Am Wege vorwärts ist mehrfach an Bäumchen zu Draperien geformter Fähnchenschmuck angebracht, ebenso auf dem Tummelplätze selbst. Fast jedes Kreuz und jeder Grabeshügel ist mit großen weißen, rothen und gelben Rosen geziert. Die verschiedenen Kapellchen, Denksteine und Bildftöcklein prangen allenthalben im Festeskleide des Schmuckes von Taxgewinden mit Blumen und Rosen durchflochten. So war der ganze Raum des Tummelplatzes mit seinen Zugängen in festlichster Weise ausgeschmückt und hrrgerichtet zum würdigen Empfange der Festgäste.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 11. Oktober 1897, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6222-ewige-ruhe-fuer-die-freiheitskaempfer-einweihung-der-neuen-1897).
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