Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DAS DACHL, DAS NICHT GOLDEN IST

Debatte um Renovierung des Goldenen Dachls: Kapferer fordert dringende Herstellung des Aeußern und Inners

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 2. April 1897 · Seite 3
Eine längere Debatte ruft die Frage der Renovierung des Goldenen Dachls hervor. GR. Kapferer bezeichnet die Angelegenheit als e ^ ne Seeschlange, die den Gemeinderath schon ein halbes Deceunium beschäftige und endlich aus der Welt geschafft werden müsse. Er schildert in drastischen Worten den elendenZustand des goldenen Dachls, das kein „ Wahrzeichen " mehr, sondern ein „Schmachzeichen " von Innsbruck sei. Dieser Zustand — von der Vergoldung keine Spur, das Gebäude abgenützt, die Fensterstöcke morsch — könne nicht mehr länger geduldet werden. Die Sparcaffe habe zur Renovierung 12. 000 fl. gespendet. Man hatte seinerzeit große Gesichtspunkte im Auge, z. B. die Verwendung des Gebäudes als Rathhaus. Prof. Hauberisser habe in dieser Absicht Pläne gemacht. Auch vom Architeeten Klingler liege der Plan eitler Fa ^ ade vor, der aber des Redners Beifall nicht findet. Die Durchführung dieser Projecte würde 40 — 50. 000 Gulden kosten, und damit ist nichts erreicht, als dass das Gebäude von außen hübsch aussieht. Es seien aber auch im Innern Adaptierungen dringend nothwendig, sonst bekomme man bald keine Parteien mehr. Um der Sache nun ein Ende zu machen und mit Rücksicht auf die Spende der Sparcaffe, die unter der Bedingung gewidmet wurde, dass im Jahre 1897 mit der Restauration begontten werde, beantragt GR. Kapferer, das goldene Dachl vergolden, die Fensterstöcke und das Aeußere Herstellen zu lassen, wie auch alljährlich etwas für die Herstellungen im Innern zu thun. In dem gegenwärtigen Zustande könne man das goldene Dachl nicht belassen, wenn man aber der Idee einer neuen Fa ^ ade nachhänge, komme man nicht vom Flecke, weil die Mittel fehlen. Vicebürgermeister Pichler bringt die Meinung der Mehrheit des Baucomitös zum Ausdrucke, ob es nicht angezeigt wäre, das goldene Dachl- Gebäude ( ohne den historisch berühmten Erker) zu veräußern. Für die Herstellung einer Fatzade dürfte die zur Verfügung stehende Summe unzulänglich sein. Eine zweite Frage sei die, ob die Sparcaffe damit einverstanden sei, dass ein großer Theil des von ihr gewidmeten Betrages nicht für das Dachl allein, sondern auch für das Haus verwendet werde. Wenn man an die Renovierung im Innern denke, möge man sich nicht täuschen, dass große Summen erforderlich sind. Altbürgermeister Dr. Falk ist entschieden gegen den Antrag des Finanzausschusses.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. April 1897, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6142-debatte-um-renovierung-des-goldenen-dachls-kapferer-fordert-1897).

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