er besonders sorgfältige Toilette, dann eilte er in das Scalatheater und verfügte sich dir et in die Parterreloge Nr. 9. Sie war, wie er enttäuscht gewahrte, noch leer. „Es ist wohl noch etwas zn früh ", suchte er sich zu trösten. „ Tie vornehmen Damen erscheinen ja meist erst kurz vor dem Ballet. " Der erste Act geht vorüber, der zweite ebenso, und Gioachino wandert ruhelos, wie ein Raubthier im Käfig, in der Loge auf und nieder, immerfort sehnsüchtige Blicke nach dem Eingänge richtend. Am Ende des dritten Actes wird die Logenthüre endlich etwas geöffnet und eine unbekannte Hand reicht Rossini ein Brieschen herein, das er in fieberhafter Erregung öffnet. Es enthält nur wenige Zeilen: „Mein theurer Maestro! Die französsische Gesandtin hat den Unterzeichneten beauftragt, Ihnen ihre Entschuldigung zu übermitteln. Es ist ihr leider unmöglich, heute Abend in das Scalatheater zu kommen, aus folgenden Gründen: Primo, sie ist noch gar nicht von Rom abgereist; Leeouckv, sie wird aller Wahrscheinlichkeit überhaupt ttiemals nach Mailand kommen, denn Tertio, sie existiert gar nicht, da der französische Gesandte fett drei Jahren Witwer ist. Genehmigen Sie, unvergleichlicher Maestro, die Versichrung ausgezeichnetster Hochachtung, mit welcher der Unterzeichnete die Ehre hat zu sein Ihr ergebenster Bewunderer Primo Aprile. " „Der erste April — dass ich auch daran nicht dachte! " murmelte Rossini, wüthend das Schreiben zerknitternd. „ Ich Dummkopf, mich so ansühren zu lassen! " Indem er aus der Loge trat, vernahm er ein ausgelassenes Gelächter und sah sich dem Tenoristen David und einigen anderen Bekannten gegenüber, die sich vor Freude über den gelungene!: Streich gar nicht zu fassen wussten. Rossini war klug genug, seinen Ingrimm zu verbeißen und in das allgemeine Gelächter eiuzustintmen, aber er vergab David diesen Aprilscherz nicht. Ter Tenorist bekam niemals wieder eine erste Rolle von ihm zngetheilt. Also, lieber Leser, kümmere Dich nicht um die classischeu Iden des März, die ja schon vorüber sind, aber denke — so lange es noch Zeit ist — an den ersten April!
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. April 1897, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6141-rossini-auf-den-arm-genommen-aprilscherz-im-scalatheater-1897).
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