Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GLÜCKSSPIEL IM FEUER – UND IM TREND

Glücksspielwuth im 15. Jahrhundert und ihre Folgen in Nürnberg

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 20. November 1897 · Seite 18
Besonders in den größeren Städten war das Spielen um Geld immer beliebter geworden, die Leidenschaft für i t Glücksspiele äußerte sich in einer wild ausgelassenen und raffinierten Art. DaS 15. Jahrhundert kann als Blütezeit leidenschaftlichen Glückspieles gelten. Am Spiel in kleineren oder größeren privaten Kreisen ließen sich die Bürger kaum noch genügen In Frankfurt a. M. z. B. bestand von 1390 bis 1493 eine öffentliche Würfelspielbude, welche die Stadtbehörde selbst unterhielt, um sich so wenigstens die Aufsicht und der Allgemeinheit den Gewinn zu sichern. An den meisten anderen Orten fand man öffentliche Spielhäuser, deren Besitzer und Unternehmer „ Scholderer " genannt wurden. Auch an Falschspielern mit dem Wahlspruchs „ eorriger 1a fortunt " fehlte es nicht. Wie groß dieSpielwuth war. beweist folgende Thalsache. Der Prediger Capistranus ermahnte im Jahre 1485 die Spieler, von ihrem sündlichen Thun abzulassen. Er forderte sie auf, ihm ihr „ teuflisch Handwerkszeug " zum Verbrennen zu übergeben. Allein in dem einzigen Nürnberg sind ihm darauf 3640 Zabelbretrer, über 40. " 00 Würfel und „ Kartenspiele ohne Zahl " ausgehändigt worden, die er durch Feuer vernichtete. Trotzdem bildeten die Spielkarten auch für die Folge noch einen bedeutenden Handelsartikel Nürnbergs. An all diesen Glücksspielen war es noch nicht genug, zu ihnen trat auch noch das Lotteriespiel. Dasselbe kam in Italien auf, wo Kaufleute, um ihre Ware schnell zu veräußern, gegen ein geringes Entgelt jeden auf FortunaS Gunst Hoffenden einen Gr: ff in die mit Zetteln gefüllte Urne thun ließen, welche Nummern zeigten, die mit den einzelnen Stücken ihrer Waren übereinstimmten. In Italien nannte man diese Art zu verkaufen den Verkauf durch daS Lotto oder das Los, woraus im Jahre 522 der Name Lotteria entstand. In Deutschland sprach man bei solchen Einrichtungen von dem Glückshafen oder Glückstopf, der allerlei mehr oder minderwertige Gegenstände für ein und denselben Einsatz bot
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. November 1897, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6242-gluecksspielwuth-im-15-jahrhundert-und-ihre-folgen-in-nuernberg-1897).

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