Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
STADTSAAL MIT ZU VIELEN MÄNGELN

Notwendigkeit der Erweiterung der Stadtsäle aufgrund unzulänglicher Räumlichkeiten

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 7. März 1898 · Seite 3
Ritter von Schwind zum Vicepräsidenten. (Unser Stadtsaalbau.) In der letzten Gemeinderathssitzung beantragte bekanntlich Herr F. Thurner, die Frage der Verbauung des todten Raumes östlich vom Stadtsaale zum Zwecke der Erweiterung der Stadtsäle in Berathung zu ziehen. Wenn wir derelben näher treten, so finden wir, dass bte Stadtsaallocalitäten sich von der Eröff. ung an als unzulänglich erwiesen. Die Garderobe, das Foyer sind unrichtig angelegt, die Verbindung über das Podium zur Bedienung des Publicums ist unpraktisch, die Lage der Schank beim Rauchzimmer ist noch unpraktischer und hemmt die Passage. Die Beleuchtung bei letzterer muss als feuergefährlich bezeichnet werden, indem die dort aufgestellten Petroleumlampen bei großem Gedränge leicht umgestoßen werden und schweres Unglück herbeiführen können. Um wie viel zweckmäßiger und besser angeleat waren die Verbindungslocale der alten Redoutensäle. Die Benützung der Lokalitäten im ersten Stocke hat nur Raumwert; damit nur irgendwie Gäste, die sich wegen Raummangels in den Parterre- Localitäten dorthin verlieren, bedient werden können, muss im ersten Stocke nun eine eigene dritte Schänke errichtet werden und müssen diejenigen Leute, die einen Imbiss einnehmen wollen, in der Regel sehr lange warten oder erhalten denselben, wenn sie ihn warm haben wollen, kalt, da die Küche bekanntlich eine kleine halbe Straßenlänge im Rücktracte des Gebäudes liegt. Außerordentlich unbequem ist die eventuelle Trennung von der Gesellschaft, wenn, wie dies speciell bei Bällen vorkommt, ein Theil im kleinen Saal der andere z. B, im Adlersaal soup ert. Es führt dies manchmal auch zu gesellschaftlich verfehltem Verhalten. Derselbe Missstand würde herrschen, wenn dieCasinolocalitäten verwendet würden. Man denke nur an die Entfernung von dem kleinen Saal zu diesen oder vom Rauchzimmer zu diesen. Was finden wir nun bei großen Bällen, Veranstaltungen, Festlichkeiten. Vereinigungen? Wir finden, dass sich möglichst alles in die weniren Parterrelocalitäten zusammendrängt, dass dieselben jedoch einschließlich ' der Benützung der Localitäten im ersten Stocke ( Adlersaal rc.) nicht genügen und häufig der Wunsch nach Vergrößerung der Locale bezw. Vermehrung derselben laut wird. Innsbruck ist eine aufblühende Stadt - Sie wird durch den steten Zuzug, durch Concentrierung od. Vergrößerung der Aemter u. s. w. immer bevölkerter und lebendiger. Man sehe sich Veranstaltungen vor 15 Jahren und heute an. Es ergibt sich die Nothwendigkeit nach Raum bei Veranstaltungen im großen Stile, anderseits findet man wenig entsprechende Saalbauten. Bei der schweren Menge von Vereinen ergibt sich oft die Nothwendigkeit nach einem großen Tanzsaal mit anstoßenden Restaurationslocalitäten.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. März 1898, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6280-notwendigkeit-der-erweiterung-der-stadtsaele-aufgrund-1898).

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