Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ALTREI REDET INNTHALER DEUTSCH

Deutsche Sprache im Thale: Altrei und sein Innthaler Dialekt

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 26. August 1898 · Seite 3
(Anterivo — Altrei.) Von Herrn Dr. Angerer erhalten wir mit Bezug auf unsere Bemerkungen über die Verwelfchung des Ortes Altrei in der Nummer vom 23. ds. die nachstehende Mittheilung: Im Frühjahre 1882 besuchte mich in Bozen ein deutscher Reichstagsabgeordneter, der meine ein Jahr vorher erschienene Schrift über die Nationalitätsverhältnisse in Südtirol gelesen hatte, und bat mich, ihn auf dem Besuche der deutschen Gemeinden im Fleims pmd Nonsthale zu begleiten. Wir kamen zuerst nach Altrei. Vor dem Dorfe begegneten uns Schulkinder. Mein Begleiter frug sie, woher sie kämen. „ Von der Schuel ", war die allgemeine Antwort. Mein Begleiter, durch diese deutsche Antwort sichtlich befriedigt, gab jedem ein Geldstück, worauf sie alle einstimmig riefen: „ Gelt ' s Gott tausendmal in den Himmel am! " Mein Begleiter frug mich verwundert: „ Was reden diese Kinder für eine Sprache? " worauf ich ihm, freudig bewegt in dieser Gegend heimatliche Laute zu hören, antwortete: „ Das ist der reinste, unverfälschte Jnnthaler Dialekt. Gerade so reden unsere Bauern im mittleren Innthal. " Mein Begleiter war durch diese Auskunft selbstverständlich befriedigt. Der Dialekt stimmt auch genau überein mit den Worten, die in Ihrer Notiz dem gewesenen Vorsteher von Altrei in den Mund gelegt werden: „Mit mir habt ' s deutsch z ' reden, zum Tuifl no amol eini! " Der Lehrer von Altrei gab uns befriedigende Auskunft, wie es gekommen, dass dieser Jnnthaler Dialekt nach AÜrei verpflanzt wurde. In den fünfziger Jahren waren die Bewohner von Altrei infolge wiederholter Missernten sehr verarmt. Da wanderten sie scharenweise in das Innthal um beim Bahnbau Arbeit und Verdienst zu suchen. Sie blieben mehrere Jahre dort und brachten nebst reichlichen Verdienst auch den Jnnthaler Dialekt mit nach Hause, der heute noch herrschend ist. Möge Ihre kräftige Rüge den Anlass bieten, dass die Regierungsorgane in Cavalese den Namen Anterivo aus m. z 3.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. August 1898, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6330-deutsche-sprache-im-thale-altrei-und-sein-innthaler-dialekt-1898).

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