Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TIROL VERWEIGERT DIE EINREISE

Zigeunerbande eskortirt ins Salzburgische nach langem Aufenthalt bei Hochfilzen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 22. August 1898 · Seite 2
(Die Zigeunerbande), welche schon seit 2. August auf der Landesgrenze bei Hochfil; en lagerte, hat am 19. ds., wie uns von dort ge schrieben wird, Tirol verlassen und den Rückzug durch Salzburg angetreten. Es kostete den Gemeinden Fieberbrunn und Hochfilzen eine große Mühe, um diese unheimlichen Sommerfrischler aus dem Lande zu bringen. Mündliche, schriftliche und telegraphische Beschwerden und Gesuche wurden an die k. k. Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel, an die Statthalterei Innsbruck und an das Ministerium des Innern gerichtet, bis endlich das Ministerium der Landesregierung in Salzburg den Auftrag ertheilte, die Zigeunerbande über die Grenze passieren zu lassen und ihnen den Durchzug durch das Land zu gestatten. Die Salzburger haben sich gegen die Zigeunereinschleichung tapfer zur Wehre gesetzt. Zur Verhinderung des Zigeunereinbruches bat die Bezirkshauptmannschaft Zell a. S. große Vorsichtsmaßregeln getroffen, indem sie nicht bloß den Grießenpass, sondern auch den Pass Strub, Thurn und Spielberg mit Wache besetzte. Gendarmerie und Civilwache mit mächtigen Stöcken, Lanzen und Gewehren bewaffnet, erinnerten an verflossene kriegerische Zeiten. Die Auslagen für diese Wache sind aber auch zu einem beträchtlichen Sümmchen angewachsen und haben ihren Zweck nicht erreicht. Am 19. ds. um 6 Uhr morgens traf der Wachtmeister aus Zell in Hochfilzen ein und escortierte die Bande ins Salzburgische. Wer war froher als die Zigeuner selbst. 17 Tage lang durften sie, durch Wachen eingeengt, sich kaum 50 Schritte vom Lager entfernen. Sämmtliche Pferde, wovon eines hier crepierte, waren ganz heruntergekommen; hie und da fiel auch eines um. Die Truppe besteht aus 7 Männern und zum größten Theil aus Weibern und Kinde n. Ihre Nahrung war äußerst spärlich, meist leben sie von Brot und Wasser. Branntwein ist ihr Lstblmgsgetränk, Tabak wird von Männern wie Weibern gleich eifrig geraucht. Ihre Kleidung * Montag tat 22 August besteht in Lumpen mit auffallenden grellen Farben \ wobei Roth besonders be vrzugt wird Die \ Wohnung der Zigeuner ist ein schlechtes Zelt, das sie stets in dem mit einem elenden Pferde bespannten Wagen mit sich führen. Ihr Küchenund Tischgeräth ist das allereinfachste, das Meiste wird mit der Adamsgabel gegessen. Die Kinder sind fast ganz nackt, die Weiber nur zum Theil bekleidet. Hoffentlich kommt diese unliebsame Gesellschaft nicht sobald wieder in das Land.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. August 1898, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6329-zigeunerbande-eskortirt-ins-salzburgische-nach-langem-aufenthalt-1898).

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